Aktuelles

 

Abschlussbericht

22.10.2017

Integriertes Handlungskonzept Wupperorte – Radevormwald

Ausführlicher Abschlussbericht - Im Auftrag der Stadt Radevormwald / Oberbergischer Kreis

 

Inhalt
  • 1 Einleitung


    1.1 Anlass und Aufgabenerstellung
    1.2 Planungs- und Kommunikationsprozess

  • 2 Analyse Wupperorte


    2.1 Untersuchungsraum und siedlungsstrukturelle Einordnung
    2.2 Bevölkerungs- und Sozialstruktur
    2.3 Soziale Infrastruktur
    2.4 Wirtschaftsstruktur und Nahversorgung
    2.5 Städtebauliche Struktur und Wohnen
    2.6 Verkehrsstruktur
    2.7 Grün- und Freiflächenstruktur
    2.8 Umwelt und Stadtklima

  • 3 Zukünftige Entwicklung


    3.1 Stärken und Schwächen
    3.2 Handlungsprioritäten
    3.3 Entwicklungsziele

  • 4 Maßnahmen


    4.1 Teilhabe und Mitwirkung
    4.2 Soziale Infrastruktur
    4.3 Städtebauliche Struktur und Wohnen
    4.4 Mobilität
    4.5 Öffentlicher Raum
    4.6 Unwelt und Klima
    4.7 Kosten- und Finanzierungsplanung

  • 5 Handlungsempfehlungen für die weitere Umsetzung


    5.1 Organisationsstruktur
    5.2 Monitoring und Evaluation
    5.3 Beteiligung im Umsetzungsprozess und Verstetigung
    5.4 Vorläufige Gebietsabgrenzung

  • 6 Verzeichnisse


    6.1 Abbildungsverzeichnis
    6.2 Tabellenverzeichnis
    6.3 Quellenverzeichnis
      6.3.1 Konzepte, Gutachten, Fachliteratur
      6.3.2 Internetquellen


1 Einleitung

1.1 Anlass und Aufgabenstellung

Als ehemals wichtiger Industriestandort für Textilverarbeitung sieht sich die Stadt Radevormwald mit unter-schiedlichen Herausforderungen für die Zukunft konfrontiert. Neben der Aufwertung der Innenstadt gibt es auch weitere Stadtteile, die sich strukturellen Veränderungen gegenübergestellt sehen. Hierzu zählt vor allem der neben der Innenstadt größte Siedlungsschwerpunkt im Stadtgebiet, die sogenannten Wupperorte. Da hier in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die wirtschaftliche Grundlage weggebrochen ist, müssen neue Lösungen für die Zukunftsfähigkeit dieser Ortschaften gefunden werden.

In den Wupperorten besteht insbesondere die Gefahr, dass einzelne Wohnquartiere, in denen negative de-mografische Veränderungen schon früh begonnen haben, deutlich an Lebensqualität verlieren. Darüber hin-aus bestehen deutliche Defizite in der (Nah-)Versorgung und bei der Mobilität. In der Gesamtheit können diese Faktoren dazu führen, dass die Wupperorte sich in naher Zukunft zu einem sozialen Brennpunkt entwi-ckeln könnten.

Mit Unterstützung der Bewohner der Wupperorte hat die Stadt Radevormwald gemeinsam mit dem Ober-bergischen Kreis und der steg NRW das „Integrierte Handlungskonzept Wupperorte“ (InHK) erarbeitet. Damit wird zum einen die Grundlage dafür geschaffen, über den Aufruf „Starke Quartiere – starke Menschen" im Rahmen der EU-Förderung (EFRE) und der Städtebauförderung finanzielle Unterstützung zu erhalten. Zum anderen dient es für die kommenden Jahre als Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsweisende Stadt-entwicklung in diesem Quartier.

Der Aufruf „Starke Menschen – starke Quartiere“ zielt darauf ab, soziale Benachteiligungen, die in der Regel durch strukturelle Beeinträchtigungen mit verursacht wurden, bedarfsgerecht zu kompensieren. Mobilität, ärztliche Versorgung, Sicherstellung von Begegnungsmöglichkeiten sowie der Erhalt und die Unterstützung der Vereinsstrukturen als auch Aufwertungsmaßnahmen im Wohnumfeld sind einige der Bereiche, die mit den Bürgern thematisiert und weiterentwickelt werden sollen. Daneben gibt es auch städtebauliche Funkti-onsverluste, die im Rahmen der Städtebauförderung aufgefangen werden sollen. Hierzu zählen u.a. die Auf-wertung von öffentlichen Räumen sowie die Erarbeitung von attraktiven und ökologisch wertvollen Wege-verbindungen.

Die gesellschaftlichen Veränderungen in den Wupperorten sowie die Besonderheiten der Topographie und ihrer historischen Struktur erfordern eine Anpassung der Quartiersstruktur, der Wohnangebote und vieler sozialer und kultureller Angebote, um selbstständige Lebensführungen und eine möglichst hohe Lebensqua-lität für alle Bürger zu sichern und möglichst langfristig zu erhalten. Vor diesem Hintergrund zeigt das InHK Wupperorte Perspektiven auf, aus denen konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Quartiers abgeleitet werden.


1.2 Planungs- und Kommunikationsprozess

Grundlage für die Erstellung des InHK Wupperorte ist ein akteursbezogener Prozess, der alle Bewohner der Wupperorte aktiv mit einbezieht, da sie in Bezug auf die Weiterentwicklung ihres Zuhauses am besten über Probleme und Bedarfe Bescheid wissen. Die Beteiligung umfasste mehrere Bürgerwerkstätten sowie eine schriftliche Befragung der Wupperaner. Zunächst wurde am 29.03.2017 auf gemeinsame Initiative der Stadt Radevormwald und des Oberbergischen Kreises eine Auftaktveranstaltung in der ehemaligen Tuchfabrik Wülfing innerhalb des Quartiers der Wup-perorte durchgeführt. An dieser Veranstaltung konnten alle Bürgerinnen und Bürger teilnehmen. Daneben wurden wichtige Akteure aus den Gemeinden, Vereinen usw. schriftlich eingeladen. Im Rahmen dieser Veran-staltung haben Frau Nakelski aus dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW, Frau van Santen aus dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales sowie Herr Wörmann von der Fach-stelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung, Herr Hagt, Landrat des Oberbergischen Kreises, sowie Herr Mans, Bürgermeister der Stadt Radevormwald, verschiedene Vorträge mit dem Ziel gehalten, alle Inte-ressierten über die Möglichkeiten und Chancen des Projektes „Starke Quartiere – starke Menschen“ zu infor-mieren und zur aktiven Mitarbeit zu begleiten.

Abbildung 1) Auftaktveranstaltung in Wülfing (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Die erste Bürgerversammlung am 27.04.2017 stand unter der Überschrift der Erarbeitung der Problemlagen der Wupperorte gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern. Zuvor wurden Themen und Handlungsfelder nach der ersten Auswertung der erhobenen Daten sowie der örtlichen Besonderheiten der Wupperorte vor-strukturiert.

Es wurden folgende Themen bearbeitet:
  • Kinder, Jugend und Bildung
  • Age friendly cities (WHO-Projekt)
  • Öffentlicher Raum und Wohnumfeld
  • Wirtschaft und Kommunikation
  • Versorgung und Gesundheit
  • Mobilität und Nahverkehr
  • Textilfabrik Wülfing
Jeder der über 120 aktiven Bürgerinnen und Bürger hatte die Möglichkeit, seine Probleme oder Anregungen an den jeweiligen Thementischen zu äußern. Alle Anregungen wurden auf Karten dokumentiert und mit einem Punktesystem mit der Intention gewichtet, dass die am höchsten bepunkteten Themen im InHK Wup-perorte berücksichtigt werden.

Abbildung 2) Erste Bürgerversammlung am 27.04.2017 (Quelle: Stadt Radevormwald)

Abbildung 3) Thementisch bei der Bürgerversammlung am 27.04.2017 (Quelle: Stadt Radevormwald)

Am 29.06.2017 fand in der Grundschule Wupper ein weiterer Bürgerarbeitskreis zur Erarbeitung des Integrier-ten Handlungskonzeptes für die Wupperorte statt. Der Einladung der Stadt und des Oberbergischen Kreises folgten fast 70 Wupperaner, um die Zukunft der Wupperorte mit zu gestalten. Aus der Auswertung der Daten über die Wupperorte, den Ergebnissen der ersten Bürgerversammlung sowie vieler Gespräche mit sachkun-digen Bürgern aus den Wupperorten haben sich die Themen „Jugend und Familie", „Mobilität" und „Begeg-nungsstätte" als näher zu betrachtende Schwerpunkte ergeben. Dazu haben Herr Priester vom Verkehrsver-bund Rhein-Sieg zum Thema „Mobilität", Herr Ronnecker vom Jubilate Forum Lindlar zum Thema „Begeg-nungsstätte" und Frau Porenzka vom Jugendzentrum Hückeswagen zum Thema „Jugend" zunächst in kurzen Vorträgen Beispiele aus ihrer Praxis erläutert. Danach wurden in Arbeitsgruppen von den Wupperanern zu diesen drei Themenschwerpunkten erste Ideen für Lösungsansätze entwickelt und dem Plenum vorgetragen. Viele der Anregungen konnten im weiteren Prozessverlauf weitergeführt werden.

Parallel wurde als Ergebnis der Bürgerversammlung vom 27.04.2017 durch den Oberbergischen Kreis und die Stadt Radevormwald eine Bürgerbefragung als weiteres Beteiligungselement durchgeführt. Mit Unterstüt-zung des Bürgervereins Wupperorte e.V. und dem „Heimatkundekreis" wurde ein Fragebogen erarbeitet, mit dessen Hilfe die Bürger das Wohnumfeld der Wupperorte bewerten und beurteilen können. Bis Ende Juni konnten die Fragebögen an unterschiedlichen Standorten im Untersuchungsgebiet eingereicht werden (siehe Website www.inhk-wupperorte.de). Insgesamt sind circa 330 Rückläufe eingegangen. Am häufigsten wurde dabei das Fehlen von Restaurant/Gaststätten genannt, gefolgt vom Zustand der Straßen und dem Fehlen von Arbeitsplätzen und Unternehmen. Weiterhin wichtig waren Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten und soziale Beratungsangebote. Die Themen der Fragebögen sind in die Analyse eingeflossen. Als stetige Infor-mationsplattform wurde die Seite www.inhk-wupperorte.de eingerichtet, die seitdem online ist und regelmäßig aktualisiert wird.

Abbildung 4) Homepage InHK Wupperorte (Quelle: www.pldesign.de)

Zwischenzeitlich haben sich einzelne aktive Gruppen in den Wupperorten selbständig getroffen, um zusätzli-che Vorschläge für die Weiterentwicklung ihres Quartiers einzubringen. So hat zum Beispiel der Bürgerverein eine erste Standortbewertung für die künftige Begegnungsstätte vorgenommen, die als Grundlage für die Konzeptstudie zur Errichtung einer ebensolchen genutzt werden kann.

Beim Bürgerforum am 18.09.2017 wurden die ersten Projektideen aus den erarbeiteten Vorschlägen der Bür-ger in den Wupperorten vorgestellt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit den Bürgern aus den Wupperorten abzugleichen, ob sich die in der breiten Beteiligung geäußerten Ideen in der vorgestellten Pro-jektliste wiederfinden lassen. Darüber hinaus wurde das weitere Verfahren im Zuge des Aufrufs „Starke Quar-tiere – starke Menschen“ erläutert. Das große Interesse der Wupperaner zur Mitwirkung zeigt sich zum einen in der hohen Teilnehmerzahl von 70-80 Personen. Zum anderen wurde von den Teilnehmern der Wunsch geäußert, sich auch weiterhin aktiv an der Umsetzung des InHK zu beteiligen und vor allem auch bei der Konzeptstudie zur Begegnungsstätte mit einbezogen zu werden.

Abbildung 5) Bürgerforum am 18.09.2017 (Quelle: Stadt Radevormwald)

Innerhalb der Stadtverwaltung haben weitere interne Workshops zur Erarbeitung des InHK stattgefunden.

Tabelle 1) Beteiligungsveranstaltungen InHK Wupperorte


2 Analyse Wupperorte

2.1 Untersuchungsraum und siedlungsstrukturelle Einordnung

Radevormwald mit einer Fläche von 53,77 km² und 22.941 Einwohnern (Stand 2016) gehört zu den ältesten Städten im Bergischen Land. Die Stadt liegt als kreisangehörige Stadt im Norden des Oberbergischen Kreises in Nordrhein-Westfalen. Seit dem 24. Juli 2012 trägt Radevormwald offiziell den Titel Stadt auf der Höhe.

Die Stadt Radevormwald ist durch ihre klein- und mittelständischen Unternehmen überwiegend vom Dienst-leistungssektor und vom produzierenden Gewerbe geprägt. Im Hinblick auf die Anbindung zur Rheinschiene befindet sich die Stadt in einer Randlage nahe Wuppertal und Remscheid. Die Autobahn A1 verläuft westlich des Stadtgebietes in circa 8 km Luftlinie vom Zentrum aus und stellt damit eine Anbindung an die Städte des südlichen Ruhrgebiets her. Die Umgebung ist mit Feld- und Waldflächen ländlich geprägt. Ein Teil des Stadt-gebietes wird von der Wupper durchflossen.

Das Untersuchungsgebiet, die sogenannten Wupperorte, liegen circa 7 km vom Stadtzentrum Radevormwald entfernt (siehe Abbildung 6). Die Wupperorte sind ein Sammelbegriff für eine Reihe von Ortschaften (Dahler-au, Dahlhausen, Grunewald, Herkingrade, Keilbeck, Niederdahl, Vogelsmühle, Oberdahl), die an der Wupper liegen und daher von der Bevölkerung Wupperorte genannt werden. Diese sind aufgrund der räumlichen und sozialräumlichen Zusammenhänge als ein Quartier zu betrachten. Die Wupperorte erstrecken sich über eine Fläche von circa 2 km². In den Wupperorten wohnen 3.280 Einwohner (Stand 2016). Im Zuge der weiteren Betrachtungen werden die einzelnen sehr kleinteiligen Siedlungseinheiten zu den Orten Dahlerau, Dahlhau-sen und Keilbeck zusammengefasst.

Aufgrund der Lage im Tal der Wupper siedelten sich in den Ortschaften Dahlerau, Vogelsmühle und Dahl-hausen ab 1815 Textilfabriken an und prägten die Wupperorte. Mit Errichtung der Arbeiterwohnhäuser durch die Textilfirmen waren ein deutlicher Anstieg der Bevölkerungszahl und damit ein Wachstum der Wupperorte festzustellen. Die Textilfabriken waren die Hauptarbeitgeber in den Wupperorten, bei denen zum großen Teil nahezu alle Mitglieder einer Familie beschäftigt waren. Mit den steigenden Bevölkerungszahlen siedelte sich auch Nahversorgung, Gastronomie und ein Kino an. Die Keilbecker Straße stellte die Hauptgeschäftsstraße dar.

Der Niedergang der Textilindustrie gegen Ende des 20. Jahrhunderts und die gestiegene Mobilität leiteten eine grundlegende strukturelle Veränderung in den Wupperorten ein. Für die drei großen Industriestandorte (Johann Wülfing & Sohn, Hardt & Pocorny (HPC) und Schürmann & Schröder), musste eine Nachnutzung gefunden werden. Durch den Wegfall der Hauptarbeitgeber veränderte sich zudem die Bevölkerungsstruktur. Eine Vielzahl der Geschäfte und der gastronomischen Betriebe wurde geschlossen, sodass heute viele ehemalige Ladengeschäfte als Wohnhäuser genutzt werden. Der strukturelle Wandel in den Wupperorten ist auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollzogen. Vor allem die Nachnutzung und der Umgang mit den großen Flächen und Gebäuden der ehemaligen Fabriken (besonders das ehemalige HPC-Gelände) stellen die Wupperorte vor eine Aufgabe, die alleine nicht zu bewältigen ist.

Kennzeichnend für die Wupperorte ist zudem die außergewöhnliche Topografie durch die Lage im extrem tief eingeschnittenen Tal der stark mäandrierenden Wupper, an den angrenzenden Hängen und auf der Hochfläche südöstlich der Wupperschleifen. Dies hat auf der einen Seite einen großen landschaftlichen Reiz, führt aber auch zu einer großen Herausforderung im Hinblick auf die Sicherstellung der notwendigen Mobili-tät. Die Wupper stellt eine natürliche Barriere dar, die durch die extremen Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Ortschaften noch verstärkt wird.

Abbildung 6) Oberbergischer Kreis (Quelle: Oberbergischer Kreis)


2.2 Bevölkerungs- und Sozialstruktur

Um die Daten der Bevölkerungs- und Sozialstruktur der Wupperorte ins Verhältnis zur Stadt Radevormwald zu setzen, ist neben der prozentualen Angabe das arithmetische Mittel dargestellt. Das arithmetische Mittel bezieht sich auf die neun Bezirke der Stadt Radevormwald. Eine Abweichung der Werte in den Wupperorten von mehr als 10 % zum Durchschnitt der Stadt ist dargestellt.

In den Wupperorten leben im Jahr 2016 3.280 Einwohner. Dies entspricht 1.629 Haushalten. Im Zeitraum von 2012 bis 2016 ist ein leichter Rückgang von 44 Personen zu verzeichnen. Auch in der Gesamtstadt ist ein ähnlicher Trend zu verzeichnen. Die Bevölkerungszahl ist von 2012 mit 23.399 Einwohnern um 458 Personen auf 22.941 Einwohner zurückgegangen (2016).

Der Anteil der Haushalte mit einer gemischten oder ausländischen Staatsangehörigkeit ist im Jahr 2016 mit 8,2 % gering. Auch in der Gesamtstadt ist ein relativ geringer Anteil von 14,5 % vorhanden.

In den Wupperorten ist ein starker Anstieg von älteren Personen festzustellen. Der Altenquotient lag im Jahr 2012 bei 29,7 und ist bis 2016 auf 33,3 angestiegen. Die Stadt Radevormwald zeigt eine ähnliche Entwick-lung, der Altenquotient liegt hier 2016 bei 36 (Vergleich Deutschland 2014: 34,6). Auch im Bereich der Kinder und Jugendlichen lässt sich in den Wupperorten ein Anstieg feststellen. Im Jahr 2012 lag der Jugendquotient bei 15,8 und im Jahr 2016 bei 19,3. In der Gesamtstadt liegt der Wert konstant bei 19 (Vergleich Deutschland 2014: 29,9). Bei der Betrachtung der einzelnen Altersgruppen wird deutlich, dass es vor allem bei den 0 – 5 Jährigen, den 50 bis 64 Jährigen und den Menschen über 80 Jahren leicht steigende Tendenzen gibt. Der Vergleich des arithmetischen Mittels der neun Bezirke der Stadt Radevormwald mit den Wupperorten zeigt, dass es im Jahr 2016 bei allen Altersklassen Abweichungen nach oben von mehr als 10 % gibt.

Aufgrund der steigenden Zahl älterer Personen und der erschwerten Fortbewegung durch die topographi-schen Bedingungen, ist es notwendig, den ÖPNV zu stärken bzw. alternative Konzepte zu entwickeln, die die Mobilität innerhalb der Wupperorte, aber auch in die Innenstadt gewährleisten. Zudem sind die Angebote für Kinder und Jugendliche aufgrund der gestiegenen Zahlen zu erweitern.

Tabelle 2) Indikatoren Bevölkerungsstruktur (Quelle: Einwohnermelderegiester, Haushaltsdaten Stichtagsbezogen vom 31.12.2016 DUVA, Eigene Berechnungen, Sozialamt Radevormwald); das arithemisches Mittel bezieht sich auf die neun Bezirke der Stadt Radevormwald

Tabelle 3) Indikatoren Soziale Situation (Quelle: Jobcenter Oberberg; Arbeitsmarktdaten (Arbeitsagentur / Jobcenter), stichtagbezogen Januar 2017 DUVA, Berechnungen der Stadt Radevormwald); das arithemisches Mittel bezieht sich auf die neun Bezirke der Stadt Radevormwald

In den Wupperorten sind derzeit 1.226 Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, was einer Be-schäftigtenquote von rund 57 % entspricht (zum Vergleich liegt die Quote im Oberbergischen Kreis bei 57,8 %, Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stichtag 30.06.2016).

Die Anzahl der Empfänger von SGB II liegt trotz der durchschnittlichen Daten zur Beschäftigung über dem arithmetischen Mittel der Stadt Radevormwald. Vor allem die Anzahl der Arbeitslosen (SGB II) unter 25 Jahren liegt mit 31 Personen deutlich über dem arithmetischen Mittel der Stadt Radevormwald von 6. Insgesamt machen die Arbeitslosen unter 25 Jahren einen Anteil von circa 14% der Leistungsberechtigten aus. Ebenso ist die Anzahl der Kinder von 0 bis 15 Jahren, die Leistungen des SBG II beziehen, erhöht; 26,5% der Leis-tungsberechtigten sind unter 15 Jahre alt. In den Wupperorten stellt somit die Jugendarbeitslosigkeit und damit die Gefahr der Armut ein großes Problem dar. Hier müssen Beratungsleistungen und Hilfestellungen schon früh ansetzen.

Auch die Arbeitslosen über 50 Jahre machen mit circa 24% einen großen Anteil der Leistungsbezieher aus. Es ist davon auszugehen, dass die heutigen Empfänger aus SGB III im Alter nicht über eine adäquate Rente ver-fügen werden und hier die Gefahr von Altersarmut entsteht.

Angestrebt ist seitens der Stadt Radevormwald, speziell auch für jüngere Menschen in Kooperation mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit weitere Angebote zu entwickeln. Die Gespräche haben im Rahmen des InHK bereits begonnen und sollen auch in Zukunft fortgeführt werden. Im Gespräch mit dem Jobcenter Oberberg wurde angemerkt, dass eine Betreuung, die über das Regelsystem hinausgeht, für ausbildungsoder arbeitssuchende Jugendliche unter 25 Jahren notwendig ist. Das bereits angebotene Sonderprogramm (aufsuchende Hilfe durch Sozialpädagogen) für den gesamten Oberbergischen Kreis hat dabei zu geringe Kapazitäten, um eine adäquate Ansprache auch vor Ort zu gewährleisten. Hier besteht Bedarf, die direkte Ansprache zu erhöhen.

Die Grundsicherung im Alter ist in den Wupperorten erhöht, allerdings nicht überproportional, da in der Ge-neration, die in der Tuchfabrik in den Wupperorten gearbeitet hat, unüblicherweise für diese Zeit beide El-ternteile gearbeitet haben. Innerhalb der Arbeiterschaft hat man damalig die Kinderbetreuung im Schichtbe-trieb selbst organisiert. Insofern verfügen heute auch beide Paarteile über eine Rente.

Im November 2016 haben 137 Personen in Radevormwald Wohngeld bezogen. Davon leben circa 14 % in den Wupperorten. Wer bereits während der Arbeitsphase auf Sozialleistungen wie Wohngeld angewiesen ist, wird voraussichtlich im Rentenalter weitere Sozialleistungen z.B. Grundsicherung im Alter benötigen, da die Rente wesentlich niedriger ist als das Arbeitseinkommen. Insofern kann die Einkommenslage der Antragsteller im Sozialversicherungsbeschäftigtenverhältnis als sehr schwach eingestuft werden. Dies lässt den Schluss zu, dass auch für diese Gruppe spätestens im Alter ein Basisauskommen ohne Transferleistungen kaum gewährleistet sein wird. Hier müssen vorhandene Angebote in den Wupperorten gestärkt werden bzw. in Teilen neue Angebote für die älteren Mitbewohner geschaffen werden, um auch im Alter ein würdevolles Leben zu ermöglichen.


Jugendkriminalität
In den Jahren 2009 bis 2015 wurden durch die Staatsanwaltschaft 345 Straftaten an die Jugendgerichtshilfe gemeldet. Hiervon wurden 90 Straftaten durch Bewohner der Wupperorte verübt. Das entspricht einer Quote von 26,1 % (Straßenausweis ist auf Nachfrage verfügbar). Weiterhin sind rechtsextreme Tendenzen in den Wupperorten festzustellen. Hier sollte bereits im Rahmen der Jugendarbeit präventiv angesetzt werden. Aus der Statistik der Jugendgerichtshilfe der letzten 5 Jahre stehen im Bereich der Wupperortschaften rund 15,79 % der Delikte in Zusammenhang mit der rechten Szene, bzw. Landfriedensbruch, Landesverrat, Ver-wendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Nur bei insgesamt 11 Delikten handelt es sich um Einzeltaten (9,02 %), die restlichen Anklagen können Mehrfachtätern zugeordnet werden (Vergleich: Innenstadtgebiet Radevormwald 253 Delikte, davon 65 Einzeltaten (25,69 %) und 6 Taten (2,37 %).in Zusammenhang mit der rechten Szene, die sich im Bereich der Wupperorte angesiedelt hat)

Im pädagogischen Dienst sind derzeit 249 Fälle von Jugendhilfe in Radevormwald in laufender Bearbeitung (Stichtagserhebung: Jugendamt Radevormwald, Februar 2016). 42 Fälle entfallen davon auf die Wupperorte. Das sind 16,9 %. Auch hier besteht in Zukunft weiterer Handlungsbedarf, der unter anderem über zusätzliche Angebote im Familienzentrum und im Jugendtreff gedeckt werden soll.

Tabelle 4) Haushaltsstruktur (Quelle: Einwohnermelderegister, Haushaltsdaten Stichtagbezogen vom 31.12.2016 DUVA, Eigene Berechnungen, Sozialamt Radevormwald); das arithemisches Mittel bezieht sich auf die neun Bezirke der Stadt Radevormwald

Im Jahr 2016 sind 40,8 % der Haushalte in den Wupperorten Einpersonenhaushalte und 34,7 % Zweipersonenhaushalte. Im Vergleich mit dem arithmetischen Mittel der Stadt Radevormwald wird deutlich, dass in den Wupperorten mehr Ein- bis Dreipersonenhaushalte sowie Fünfpersonenhaushalte vorhanden sind. 82,6 % der Haushalte sind ohne Kinder. Dieser Wert liegt über dem der Stadt Radevormwald.

Obwohl in den Wupperorten überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser vorhanden sind, ist eine erhöhte Anzahl an Single-Haushalten und damit an Haushalten ohne Kinder festzustellen. Dies kann damit erklärt werden, dass eine hohe Anzahl an Personen über 65 Jahre, die in Ein- und Zweifamilienhäusern leben, vorhanden ist. Bei dieser Gruppe sind die Kinder in der Regel bereits erwachsen und nicht mehr im Haushalt integriert. In der Zukunft steht somit ein Generationenwechsel an, der gesteuert werden muss.


2.3 Soziale Infrastruktur

Gemeinschaftsgrundschule
Die Verbundgrundschule Bergerhof-Wupper befindet sich Auf der Brede und hat einen weiteren Standort in Bergerhof. Die Grundschule hat am Standort Wupper eine Schülerzahl von 99 und ist einzügig (Stand Sep-tember 2017). Die Anzahl der Einschulungen (an beiden Standorten zusammen) ist 2016 und 2017 mit jeweils 75 Einschulungen deutlich angestiegen. Im Jahr 2013 waren 52, im Jahr 2015 45 Einschulungen zu verzeich-nen. Der Trend der steigenden Einschulungen ist auch in den weiteren Grundschulen der Stadt Radevorm-wald zu verzeichnen. Auch bis zum Jahr 2028 können stabile Kinderzahlen prognostiziert werden (vgl. Gniost-ko, Garbe 2017: 59f). Der Standort der Grundschule kann somit zukünftig als gesichert angesehen werden.

Die Verbundgrundschule bietet das Betreuungsangebot „Offener Ganztag“ an. Eine Betreuung der Kinder mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung sowie Spiel-, Sport-, Bastelaktivitäten und verschiedenen AGs ist bis 16 Uhr sichergestellt. Am Standort Wupper wird eine Gruppe mit insgesamt 31 Kindern betreut, eine Warteliste ist nicht vorhanden (vgl. Gniostko, Garbe 2017: 59). Am Standort Wupper ist eine Köchin für die Zubereitung eines frischen Mittagessens angestellt. Die Gemeinschaftsgrundschule weist weitere Besonderheiten auf: es ist ein Schulhund mit Therapieausbildung vorhanden und es wird eine Kanu-AG auf der Wupper angeboten (vgl. Website Verbundgrundschule Berghof-Wupper).

Der Standort der Grundschule Wupper ist zusammen mit dem städtischen Kindergarten Wupper und dem Jugendzentrum Life Verbundmitglied im Familienzentrum Wupper. Familienzentren sollen für Kinder, Eltern und Familien Angebote einer leicht zugänglichen Unterstützung und Förderung bieten.

Die Grundschule hat ein Hauptgebäude und vier weitere Nebengebäude, welche über Laubengänge mitei-nander verbunden sind und zum Teil durch andere Nutzungen belegt sind (z.B. Kinder- und Jugendtreff Life). Die Gebäude sind nicht barrierefrei zugänglich. Die Schule wurde im Jahr 1969 errichtet, eine grundlegende bauliche Ertüchtigung, abgesehen von der Heizungsanlage und einigen Fenstern, hat nicht stattgefunden. Der Haupteingang der Grundschule befindet sich an der Straße Auf der Brede (siehe Abbildung 7). Der Eingang ist nicht zur Straße hin geöffnet, sondern durch die Einfassung des Eingangsbereiches mit Pflanzen versteckt.

Abbildung 7) Haupteingang Grundschule (Quelle: steg NRW GmbH)

Der Schulhof der Grundschule ist relativ groß, jedoch zum großen Teil mit Steinplatten versiegelt, die an einigen Stellen abgesunken sind und mögliche Stolperstellen darstellen. Durch den Höhenunterschied ist der Schulhof in zwei Teile unterteilt. Der obere Teil (siehe Abbildung 8) ist gepflastert und bietet keine Anreize zum Spielen.

Abbildung 8) Oberer Teil Schulhof (Quelle: steg NRW GmbH)

Über Treppen, die teilweise in einem maroden Zustand sind, kann der untere Bereich erreicht werden. Hier befinden sich eine Tischtennisplatte, Klettergerüste und ein Trampolin (siehe Abbildungen 9, 10).

Abbildung 9) Unterer Teil Schulhof (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 10) Nebengebäude Grundschule (Quelle: steg NRW GmbH)

Hinter dem Hauptgebäude der Schule ist zudem ein kleiner Schulgarten angelegt und es ist eine kleines „Amphitheater“ vorhanden (siehe Abbildung 11), in der die Siegerehrungen der Sportfeste stattfinden. Das Amphitheater ist jedoch verwittert und in einem trostlosen Zustand.

Abbildung 11) "Amphitheater" (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 12) Bauliche Mängel Grundschule (Quelle: steg NRW GmbH)

Eine weitere Entsiegelung und kindgerechte bzw. barrierearme Gestaltung des Schulhofes ist angedacht.


Kindergärten
Neben der Grundschule befindet sich der städtische Kindergarten Wupper mit insgesamt 44 Plätzen (24 Plät-ze mit 35 Wochenstunden und 20 Plätze mit 45 Wochenstunden). Der Kindergarten hat eine große Außenfläche mit Wiese und Spielgeräten. Aktuell wird der Kindergarten mit einem Anbau erweitert.

Der evangelische Kindergarten „Die Wuppermäuse“ befindet sich am Radeberg in Dahlhausen. Hier sind 42 Plätze mit 35 und 45 Wochenstunden vorhanden. Im Jahr 1884 wurde von der Firma „Schürmann & Schröder“ der Werkskindergarten Vogelsmühle eröffnet, die Leitung wurde im Jahr 1919 von Frau Maria Ley übernommen und im Jahr 1975 von der evangelischen Kirchengemeinde Dahlerau. Die Kindergärten Wupperstraße und Vogelsmühle wurden im Jahr 2009 zusammengelegt und befinden sich in der ehemaligen Volksschule Dahlhausen. Der Außenbereich des Kindergartens ist mit Hilfe des Fördervereins neu angelegt worden (vgl. Zeitungsbericht rp-online vom 17.02.2015).

Abbildung 13) Städtischer Kindergarten Wupper (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 14) Anbau an den Kindergarten Wupper (Quelle: steg NRW GmbH)

Für die Wupperorte zeigt die statistische Bedarfsermittlung der Stadt Radevormwald, dass weitere Bedarfe für Kindergartenplätze vorhanden sind. Für das Kindergartenjahr 2017/2018 sind für Kinder ab 3 Jahre bis Schulpflicht 73 Plätze und 86 Kinder vorhanden, somit ergibt sich eine Versorgungsquote von 84,9 %. Für 2-Jährige ist eine Versorgungsquote von 61,5 % und für unter 2-Jährige von 10,3 % vorhanden. Bis zum Kindergartenjahr 2020/2021 werden noch weitere erhöhte Bedarfe erwartet (vgl. Stadt Radevormwald 2016).


Turnhalle/Sportplatz Auf der Brede
An der Färberstraße, in direkter Nähe zur Grundschule, befindet sich die Turnhalle. Diese wurde Ende der 1960er Jahre errichtet, im Jahr 2010 saniert und befindet sich somit in einem guten Zustand. Die Turnhalle wird durch die Grundschule, den Dahlerauer Turnverein, den TUSPO Dahlhausen und den Tischtennisverein TV Herbeck genutzt.

Abbildung 15) Turnhalle an der Färberstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Von der Turnhalle aus ist der Sportplatz Auf der Brede über eine Wiese und eine Treppenanlage zu erreichen. Ein ausgebildeter Weg ist jedoch nicht vorhanden. Der Tennenplatz wurde 2002 komplett erneuert und gleichzeitig umgebaut. Er besteht aus einem Fußballfeld (63 m x 102 m), einer 120 m langen Sprintlaufbahn sowie einer 430 m langen Rundlaufbahn (alles Tennenbelag). Daneben besitzt die Anlage ein Kleinspielfeld (Tartan / Größe 20 m x 40 m) und eine Weitsprunganlage. Die Anlage ist des Weiteren mit einer Flutlichtanlage, Zuschauerplätzen sowie Umkleide-, Dusch-, Waschräume, einer Toilettenanlage und einem Vereinsraum für den Sportverein ausgestattet. Die Gesamtanlage hat eine Größe von etwa 16.850 m², die Sportnutzfläche davon beträgt etwa 10.200 m².

Hauptnutzer der Sportanlage sind der TuSpo 1883 e.V. Dahlhausen, die Verbundgrundschule Bergerhof-Wupper, der TV Herbeck und das Familienzentrum mit Kindergarten und Jugendzentrum (vgl. Stadt Radevormwald 2011). Der Kindergarten nutzt den Sportplatz neben Übungsstunden auch für Kindergartenfeste. Eine regelmäßige Nutzung findet auch durch die Verbundgrundschule mit Sportunterricht, Bewegungspausen und durch den offenen Ganztag statt. Es werden auch Sportfeste und Bundes-jugendspiele abgehalten. Durch das Familienzentrum/den Jugendtreff findet ebenfalls eine regelmäßige Nutzung statt (vgl. Planungsbüro G. & L. Hoppe 2017). Der Sportplatz hat somit nicht nur für die Vereinsnutzung einen wichtigen Stellenwert, sondern auch für weitere Personengruppen aus den Wupperorten, momentan vor allem für Kinder und Jugendliche. Über Sportangebote wird neben der Fitness und der Gesundheit auch der gesellschaftliche Zusammenhalt (Fair Play und Umgang mit Konflikten) gestärkt sowie Barrieren durch Sprache oder Religion spielerisch überwunden.

Abbildung 16) Sportplatz auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Der Belag des Sportplatzes entspricht jedoch aus sportfachlicher Sicht nicht den aktuellen Anforderungen, vor allem aus sicherheitsrelevanter Sicht, da ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Aus diesem Grund ist es schwierig, Vereine zu finden, die gegen die Mannschaften aus den Wupperorten antreten möchten, da sich die Spieler nicht dem erhöhten Verletzungsrisiko aussetzen möchten. Dadurch findet eine gewisse soziale Ausgrenzung im Vereinsleben der umliegenden Vereine statt. Weiterhin lässt sich eine natürliche Entmischung der Deckschicht erkennen, weswegen in naher Zukunft eine Aufwertung notwendig ist. Aufgrund der gesellschaftlichen und demographischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass der Austausch des Belags durch einen modernen und sicheren Kunstrasen einen Impuls für die sportliche Entwicklung des Stadtteils gibt und damit eine Aufwertung der Angebote der sozialen Infrastruktur einhergeht (vgl. Planungsbüro G. & L. Hoppe 2017).

Abbildung 17) Sportplatz auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Neben der Aufwertung der Spielfläche soll auch die Tennen-Laufbahn mit einem Kunststoffbelag ausgestat-tet werden. Die Errichtung einer barrierefrei erreichbaren Tribüne hat für einen generationsübergreifenden Familiensportplatz eine wichtige Funktion. Zudem wird die monofunktionale Ausrichtung des Sportplatzes aufgehoben und ein Treffpunkt geschaffen und so das Miteinander in den Wupperorten gestärkt (vgl. Pla-nungsbüro G. & L. Hoppe 2017).


Kinder- und Jugendtreff Life
Im gesamten Einzugsgebiet der Wupperorte ist der Kinder- und Jugendtreff Life die einzige sozialpädago-gisch geleitete städtische Institution mit niederschwelligem Angebot. Der Treff befindet sich im letzten Pavil-lon auf dem Gelände der Gemeinschaftsgrundschule Wupper und ist als offener Treff konzipiert. Der Pavillon selber verfügt über zwei ehemalige Klassenzimmer mit einem kleinen Thekenbereich mit Sitzgelegenheiten und Computerecke und einem „Spielraum“ mit Billard, Kicker, Tischtennis. Ein Raum in einem angrenzenden Pavillon kann für Gruppenarbeit, Krabbelgruppen und Ähnliches genutzt werden.

Abbildung 18) Kinder- und Jugendtreff Life (Quelle: steg NRW GmbH)

Im November 2015 wurde der Kinder- und Jugendtreff Life personell neu aufgestellt. Die Öffnungszeiten wurden von vormals durchschnittlich zehn auf zwanzig Wochenstunden erhöht. Es wurden, so weit möglich, themenzentrierte Angebote installiert und die Durchmischung der differenten Altersgruppen gesteuert. Für die neue Leitung war es bei Übernahme der Aufgaben von besonderer Wichtigkeit für die Zielgruppe der 6 bis 21 Jährigen permanent ansprechbar zu sein und das Haus wöchentlich für die Allgemeinheit zu öffnen.

Entgegen der Zielgruppe der meisten Jugendzentren, ist der offene Treff auch schon für Kinder ab 6 Jahre geöffnet. Zusätzlich suchen viele Eltern mit ihren Fragen und Problemen, sowohl die Kinder, als auch die „normalen“ Lebensumstände betreffend, die Einrichtung auf. Die Besucherstatistik des Jahres 2016 zeigt eine durchschnittlich hohe Besucherzahl. So gab es in den Wintermonaten zu Spitzenzeiten einen Tagesdurch-schnitt von bis zu 80 Besuchern des offenen Treffs.

Leider sind bei dieser Menge an Kindern und Jugendlichen für eine einzelne Person differenzierte, pädagogische und thematische Angebote nicht durchführbar, denn es würde bedeuten, dass mit einigen wenigen gearbeitet würde und viele andere außen vorgelassen werden.

Abbildung 19) Ehemaliges Klassenzimmer mit Thekenbereich(Quelle: steg NRW GmbH)

Bei der Betrachtung der Bevölkerungs- und Sozialstruktur (siehe Kapitel 2.2) wird deutlich, dass im Bereich der Wupperortschaften überdurchschnittlich viele Familien mit sozialen Problemlagen wohnen und davon Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung stärker betroffen werden (negative Abweichung der SGB II/III Empfänger im Quartier zum Mittelwert Radevormwald). Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass eine deutliche Mehrheit der Leistungsbezieher nach SGB II über ein geringes Bildungsniveau verfügen – was wiederum Auswirkung auf die Unterstützungsmöglichkeiten in Bezug auf die Kinder bei Schule und Bildung betrifft.

Daher müssen regelmäßige, bedarfsorientierte, thematische Angebote installiert und umgesetzt werden – in erster Linie für die Kinder und Jugendlichen, aber darüber hinaus auch als Unterstützung für Familien. Zum einen stellt die Lage der Wupperorte und die relativ schlechte Busanbindung eine unüberwindbare Hürde zu den Hilfeleistungen in der Innenstadt dar. Zum anderen sollte die Schwelle zu Hilfsangeboten möglichst gering gehalten werden, sodass auch Eltern diese annehmen. Da bei der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien gerade die Vertrauensbasis eine wichtige Rolle spielt, ist es notwendig, dass die Angebote von ihnen vertrauten Personen aus dem direkten Umfeld, hier aus dem Jugendtreff Life, durchgeführt und diese Angebote so niederschwellig wie möglich gestaltet werden.

Abbildung 20) "Spielraum" (Quelle: steg NRW GmbH)

Insgesamt ist es notwendig, regelmäßig kleineren Gruppen zu ermöglichen, sich mit einer pädagogischen Kraft „zurückzuziehen“, um sich neben dem Spiel- und Spaßbereich ernsthafteren Auseinandersetzungen zu stellen, sich ohne Angst vor Bloßstellung im engen Kreis über Themen zu unterhalten, sich zu öffnen und zu informieren. Auch dürfen für gezielte Angebote die Zeiten des „Offenen Treffs“ nicht zurück gefahren wer-den. Das bedeutet, dass sowohl im offenen Treff als auch für die zusätzlichen Angebote pädagogisch ausge-bildetes Personal vor Ort sein muss. Eine paritätische Besetzung mit einer weiblichen und einer männlichen Fachkraft ist gerade für die spezifischen Themen unumgänglich. Zu folgenden Themen sollten dabei Angebote geleistet werden:
  • Geschlechtsspezifische Angebote wie Sexualaufklärung oder Identitätsfindung
  • Suchtprävention
  • Extremismus
  • Beratungsangebote für Menschen im Sozialbezug
  • Unterstützung Übergang Schule/Beruf
  • Gesundes Aufwachsen
Die vorhandenen räumlichen Ressourcen sind mit den derzeit durchgeführten Angeboten ausgelastet. Für Kleingruppenarbeit, Beratungsangebote, Schulungen und weitere zusätzliche Kurse und Angebote für Kinder, Jugendliche und Eltern ist eine Erweiterung um einen Schulungsraum mit nötiger EDV-Ausstattung und einen Cafébereich mit großzügiger Küchenausstattung ist sinnvoll.

Abbildung 21) Eingansbereich Kinder- und Jugendtreff (Quelle: steg NRW GmbH)

Der Ausbau vom Jugendtreff zum Nachbarschaftstreff für Kinder, Jugendliche und Familien ist gerade für die Wupperortschaften eine enorme Bereicherung und baut eine bisher nicht mögliche Präventionskette in den Wupperortschaften auf.


Weitere Bildungseinrichtungen, Vereine und Initiativen
Es gibt keine weiterführende Schule in den Wupperorten, so dass Kinder und Jugendliche bis ins Zentrum von Radevormwald oder nach Remscheid-Lennep zur nächsten Einrichtung fahren müssen. Die Musikschule der Stadt bietet turnusmäßig ein Musikschulangebot in der Grundschule an.

Neben den öffentlichen Einrichtungen hat sich durch die lange industrielle Prägung und den ehemals guten Zusammenhalt eine breite Vereinskultur gebildet, die mit den unterschiedlichen Aktivitäten die Wupperorte nachhaltig stärken und weiterentwickeln möchte. Unter diesen Vereinen befindet sich zunächst der AWO Ortsverein mit 105 Mitgliedern, die jedoch zum größeren Teil bereits hochbetagt sind. Ebenfalls gibt es den Verein „Runder Tisch gegen rechts“, der sich sehr aktiv in den Wupperorten engagiert. Als ein Hauptanliegen will der Verein verhindern, dass Jugendliche ins rechte Lager abrutschen. Diese Problematik ist über die Grenzen der Wupperorte hinaus bekannt und in der Presse in Bezug auf den rechtsextremen „Freundeskreis Rade“ häufig thematisiert worden.

Weiterhin wurde ein Bürgerverein für die Wupperorte gegründet, der sich für die Belebung der Wupperorte und die Steigerung der Attraktivität für Bewohner und Ausflügler engagiert. Der Verein organisiert Aufräumaktionen an der Wupper und einen Wupper-Adventsmarkt (vgl. Website Wupperorte). Darüber hinaus ist der Verein aktuell im Rahmen der Erstellung des InHK Wupperorte sehr aktiv. In eigenständigen Sitzungen haben engagierte Bürger Standortvarianten für eine mögliche Begegnungsstätte erarbeitet und bewertet.

Sportangebote gibt es durch den Fußballverein TUSPO Dahlhausen. Dieser bietet Jugend und Senioren Fußball an. Trainiert wird auf dem Sportplatz Auf der Brede und auf den Kunstrasenplatz Hermannstraße. Am Sportplatz auf der Brede befindet sich der Vereinsraum (vgl. Website TUSPO Dahlhausen).

Auch der Dahlerauer Turnverein 1889 e.V. bietet unterschiedliche Angebote wie Bewegungserziehung, Eltern- und Kindturnen oder Frauengymnastik an. Die Angebote finden zum großen Teil in der Sporthalle Auf der Brede statt (vgl. Website Dahlerauer Turnverein).

Zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) hat im Jahr 2004 der Bürgerbus-Verein Ra-devormwald mit dem Wupper-Blitz eine Verbindung zwischen den Wupperorten, dem Wuppermarkt und dem Zentrum von Radevormwald geschaffen. Der Bürgerbus-Verein besteht seit dem Jahr 2003 und wird dort eingesetzt, wo eine reguläre ÖPNV-Anbindung aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist. Der Kleinbus, der acht Personen befördern kann, fährt nach einem festen Fahrplan. Die Fahrerinnen und Fahrer sind ehrenamtlich tätig. Der Wupper-Blitz fährt an drei Wochentagen (dienstags, donnerstags und freitags) je zwei Mal pro Tag Richtung Innenstadt (vgl. Website Wupperorte und Website Bürgerbusverein).

Abbildung 22) Busse des Bürgerbus-Vereins (Quelle: steg NRW GmbH)

In der ehemaligen Tuchfabrik Johan Wülfing & Sohn wurde nach der Schließung 1996 im Jahr 1997 der Verein Johann Wülfing & Sohne Museum e.V. gegründet. Der gemeinnützige Verein setzt sich mit seinen rund 45 Mitgliedern dafür ein, das Industriedenkmal für die Öffentlichkeit zu erhalten und aufzubereiten sowie die die Erinnerung an das Industriegebiet im Tal der Wupper zu pflegen. Im Museum befindet sich neben den Ausstellungsräumen auch ein Museums-Café. Die Räumlichkeiten können auch von Außenstehenden angemietet werden (vgl. Website Wülfing Museum).

Abbildung 23) Wülfing Museum (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 24) Dampfmaschine im Wülfing-Museum (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 25) Rundgang durch die Textilstadt Wülfing (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 26) Wülfing Areal Überblick (Quelle: steg NRW GmbH)

Es zeigt sich also, dass insgesamt ein großes Potenzial an Engagierten in den Wupperorten vorhanden ist, deren Kräfte es zu bündeln und zu professionalisieren gilt. Die Altersstruktur ist jedoch häufig fortgeschritten. Die jetzt angestoßene Entwicklung der Wupperorte sollte daher auch dazu genutzt werden, die Vereinsstruk-turen weiterzuentwickeln und das Engagement vor allem von jüngeren Wupperanern zu stärken. Eine dafür ausgerichtete Begegnungsstätte könnte vielen der Initiativen und Vereinen ein neues gemeinsames Dach bieten, aus dem sich eventuell weitere Synergien für künftige Aktivitäten ergeben.


Kirchengemeinden
In den Wupperorten sind drei Gemeinden angesiedelt. Die evangelische Kirchengemeinde Dahlerau befindet sich am Siedlungsweg. Neben dem Kirchengebäude, sind ein Gemeindehaus und ein Friedhof vorhanden.

Abbildung 27) Evangelische Kirche (Quelle: steg NRW GmbH)

Seit 2009 findet einmal im Monat im Gemeindehaus das Café „Klatsch“ statt, das vor allem Senioren ansprechen soll, die sich eine Fahrt in die Innenstadt für einen Cafébesuch nicht leisten können bzw. nicht mobil genug sind [INFO].

Abbildung 28) Gemeindehaus evangelische Kirche (Quelle: steg NRW GmbH)

Zudem werden unterschiedliche Gruppen wie ein Familienkreis, ein Männerkreis, ein Seniorenclub oder eine Krabbelgruppe angeboten (vgl. Website evangelische Kirchengemeinde Dahlerau).

Abbildung 29) Friedhof (Quelle: steg NRW GmbH)

Das Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde Radevormwald-Dahlerau befindet sich an der Kirchstraße. Dort finden Gottesdienste und weitere Veranstaltungen und Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt (vgl. Website Freie evangelische Gemeinde Dahlerau).

Abbildung 30) Gemeindehaus freie evangelische Gemeinde (Quelle: Thomas Weber)

Die katholische Kirche St. Josef befindet sich am Schröderweg. Am Pastor-Wemmer-Weg befindet sich zu-dem der katholische Friedhof. Die katholischen Kirchen Radevormwald und Hückeswagen bilden eine Pfarreiengemeinschaft (vgl. Website Erzbistum Köln).

Abbildung 31) Katholische Kirche St. Josef (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 32) Katholisches Gemeindehaus (Quelle: steg NRW GmbH)


Gesundheitsversorgung
In den Wupperorten, an der Keilbecker Straße, gibt es zwei Allgemeinmediziner, wobei beide kurz vor der Pensionierung stehen. Darüber hinaus gibt es einen Tierarzt, einen Heilpraktiker und einen Legasthenietrainer. Die einzige Apotheke der Wupperorte befindet sich an der Keilbecker Straße.

Die Pflegeeinrichtung Haus Thiele am Siedlungsweg in Keilbeck befasst sich schwerpunktmäßig mit der Betreuung und Pflege von Menschen mit demenziell begründeten, körperlichen und psychischen Veränderungen. Im Jahr 2005 wurden umfassende Neu- und Anbaumaßnahmen durchgeführt. Zudem fand im Jahr 2012 eine Erweiterung um den Gebäudekomplex Haus Keilbeck mit spezieller Ausrichtung für Menschen, die an Alzheimer-Krankheit oder anderen Demenzformen leiden statt. Über einen geschlossenen Übergang sind beide Gebäudeteile verbunden. Die Pflegeeinrichtung bietet insgesamt Platz für bis zu 60 Personen (vgl. Website Haus Thiele).

Abbildung 33) Pflegeeinrichtung Haus Thiele (Quelle: steg NRW GmbH)

In Dahlhausen befindet sich das Diakoniewerk „Haus am Fluss e.V., das als Heim für Suchtkranke ein Angebot an betreutem Wohnen mit 6-8 Plätzen vorhält. Darüber hinaus gibt es in Keilbeck noch zwei ambulante Pflegedienste. Weitere Angebote, wie zum Beispiel Fachärzte, sind in den Wupperorten nicht vorhanden. Aus diesem Grund ist für die Gesundheitsversorgung Mobilität gefragt. Wenn die beiden Allgemeinmediziner ihre Praxis schließen und keine Nachfolge finden, verschärft sich die Situation weiter. Insbesondere bei der grundlegenden medizinischen Versorgung müssen Angebote gesichert werden. Hier könnten zum Beispiel in Verbindung mit einer möglichen Begegnungsstätte zusätzliche Angebote eingerichtet werden, die punktuell dort stattfinden (Sprechstunde eines auswärtigen Facharztes, Beratungsleistungen für Pflege, Mobilitätsangebote, Beratungsdienste der Sparkasse), um ein Grundangebot für die Wupperorte sicherzustellen. Positiv ist zu nennen, dass die Kirchengemeinden sehr aktiv sind und neue Angebote speziell auch für ältere Men-schen geschaffen haben, die gut angenommen werden. Auch im Bereich Pflege sind die Wupperorte derzeit gut aufgestellt.

Die Angebote der sozialen Infrastruktur konzentrieren sich zum großen Teil in Keilbeck, wo auch der größte Anteil der Wupperaner lebt. Diese Angebote sind somit für einen Großteil erreichbar, die Angebote im Tal der Wupper (vor allem Wuppermarkt) sind jedoch aufgrund der Topographie nur schwer zugänglich.

Abbildung 34) Infrastruktureinrichtungen in den Wupperorten (Quelle: Stadt Radevormwald)

In Abbildung 35 sind die bereits vorhandene Präventionskette sowie die Erweiterung durch die geplanten Maßnahmen dargestellt. In der Bestandssituation bestehen Defizite in der Abdeckung aller Altersgruppen, welche der Stadt Radevormwald bekannt sind. Angebote sind für Kinder ab der Krippe bis zur Grundschule vorhanden. Diese werden durch die Sportvereine ergänzt. Um die Präventionskette zu schließen, ist eine Erweiterung und Ergänzung der Angebote in den Punkten der Beratung und Präventionsmaßnahmen notwendig.

Abbildung 35) Präventationskette in den Wupperorten (Quelle: steg NRW GmbH)


2.4 Wirtschaftsstruktur und Nahversorgung

Wie bereits beschrieben, sind die Wupperorte durch die Entwicklung der Textilindustrie geprägt. Mit der An-siedlung der Textilfabriken und dem Bau von Arbeiterwohnungen wurde die Entwicklung der Wupperorte vorangetrieben. Aufgrund der steigenden Bevölkerungszahlen in den Wupperorten siedelten sich Nahversorgungsangebote, Gastronomie und Dienstleistungen an. Die Keilbecker Straße bildete sich zur Hauptge-schäftsstraße aus. Die Aussage „Einst waren sie das wirtschaftliche Herz Radevormwalds“ war kürzlich über die Wupperorte im Remscheider Generalanzeiger zu lesen. Nach der Schließung der Textilfabriken und einem Rückgang der Bevölkerung, wurden auch die Geschäfte und Dienstleistungsangebote geschlossen.

Aktuell sind Nahversorgungsangebote am sogenannten Wuppermarkt (ehemalige Textilfabrik Schürmann & Schröder) konzentriert. Dort befinden sich ein Discounter, ein Friseur, ein Kiosk mit erweiterten Angeboten wie Post, Schreibwaren etc., ein Tiernahrungsgeschäft und ein Metzger, der auch einen Mittagstisch anbietet. Weiterhin sind dort Büroräume von einem Fotografen und einer Architektin vorhanden. Der Discounter ist der einzige Lebensmittelhändler in den Wupperorten. Dauerhaft wird der Discounter mit der geringen Fläche von 800 m² keine Zukunft haben. Für heutige Maßstäbe der Discounter-Konzepte sind mindestens 1.200 m² erforderlich. Da der Standort keine Möglichkeit der Flächenerweiterung bietet, wurde der Pachtvertrag im Jahr 2017 nur bis April 2018 verlängert. Daher muss über alternative Lösungen nachgedacht werden wie zum Beispiel die Verlagerung von anderen Betrieben, sodass größere zusammenhängende Flächen entstehen, um die Nahversorgung für die Wupperorte weiterhin sicherzustellen. Aufgrund der Topographie ist kein direkter Fußweg zum Wuppermarkt vorhanden, was die fußläufige Erreichbarkeit des Wuppermarkts einschränkt. Ein privater Investor plant, den nördlichen Teil der ehemaligen Textilfabrik Schürmann & Schröder zu sanieren und Wohnungen und wohnverträgliche Arbeitsstätten zu vermieten.

Abbildung 36) Apotheke an der Keilbecker Straße (Quelle: steg NRW GmbH)

An der Kirchstraße in Keilbeck befindet sich eine Filiale der Sparkasse. Diese soll jedoch laut Pressebericht ab Oktober 2017 geschlossen werden (siehe rp-online vom 31.03.2017). Entlang der Keilbecker Straße sind Arztpraxen, eine Apotheke (siehe Abbildung 36) und ein Friseur angesiedelt. Die Arztpraxen werden in der Zukunft jedoch schließen (siehe Kapitel 2.3). Bis Ende 2015 war dort auch eine Fleischerei zu finden, die jedoch nach über 40 Jahren geschlossen wurde (siehe Abbildung 37).

Abbildung 37) Ehemalige Fleischerei an der Keilbecker Straße (Quelle: steg NRW GmbH)

Neben dem Museums-Café, das nur am Wochenende geöffnet ist, sind in den Wupperorten keine Cafés oder Restaurants vorhanden. Treffpunkte für die Bewohner stehen somit nicht zur Verfügung. In den Gebäuden der ehemaligen Textilfabriken hat sich zum Teil Gewerbe angesiedelt. Insgesamt sind jedoch nur wenige Arbeitsplätze in den Wupperorten vorhanden.


2.5 Städtebauliche Struktur und Wohnen

Das Siedlungsgefüge der Wupperorte liegt separiert vom restlichen Stadtgebiet Radevormwald. Der Untersuchungsraum erstreckt sich entlang der hier stark mäandrierenden Wupper und ist von Wald- und Wiesenflächen umgeben. Die städtebauliche Struktur wird durch das topografische Gefälle und die Wupper geprägt, wodurch jedoch auch Barrieren und Zäsuren entstehen. Weiterhin ist die Textilindustriegeschichte in den Wupperorten aufgrund der noch vorhandenen Gebäude der ehemaligen Fabrikstandorte, der viele Arbeiterwohnhäuser und vieler Straßennamen deutlich ablesbar. Insgesamt bestehen die Wupperorte aus drei übergeordneten Ortsteilen, die sich in viele kleinere Siedlungsräume unterteilen. Für die städtebauliche Struktur wird hier lediglich auf die Ortsteile Dahlerau, Keilbeck und Dahlhausen Bezug genommen.


Dahlerau
Der Ortsteil Dahlerau befindet sich im Tal der Wupper und ist vor allem durch die historischen und denkmalgeschützten Fabrikgebäude und Arbeiterhäuser der ehemaligen Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn und die ehemaligen Bahnhofsgebäude des Bahnhofs Dahlerau geprägt.

Abbildung 38) Wülfing Museum (Quelle: steg NRW GmbH)

Die ehemalige Textilfabrik war noch bis 1994 in Betrieb. Die Gebäude wurden von 1836 bis nach dem zweiten Weltkrieg errichtet und stellen ein industriegeschichtliches Denkmalensemble dar. Im Rahmen eines integrierten Handlungskonzeptes wurde im Jahr 2002 der gesamte Bereich entwickelt und das Hauptgebäude, das sich im Eigentum der Stadt Radevormwald befindet, zum Teil renoviert. Dort befindet sich das Textilmuseum Wülfing. Die oberen Etagen stehen momentan jedoch noch leer und müssen saniert werden.

Abbildung 39) Gewerbeflächen (Quelle: steg NRW GmbH)

Die weiteren Flächen und Gebäude sind zum großen Teil im Eigentum eines Investors sowie weitere Teilflächen im Eigentum des Betreibers der Wasserkraftanlage. Eine gewerbliche Wiedernutzung findet in weiten Teilen statt. Die Gebäude befinden sich insgesamt in einem guten Zustand.

Abbildung 40) Ehemalige Arbeiterhäuser an der Wülfingstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 41) Ehemaliges Bahnhofsgebäude Dahlerau (Quelle: steg NRW GmbH)


Keilbeck
Keilbeck ist der einwohnerstärkste Ortsteil, der sich langgezogen vom Tal der Wupper nach Osten hin erstreckt. Der Ortsteil weist erhebliche Höhenunterschiede auf, das Tal der Wupper liegt auf 80 Metern und der östliche Teil auf 300 Metern über dem Meeresspiegel. Die Gebäudestruktur besteht überwiegend aus Ein- und Zweifamilienhäusern sowie kleinen Mehrfamilienhäusern.

Abbildung 42) Gebäude im Bergischen Baustil Kirchstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Zwischen historischen Gebäuden im typischen bergischen Baustil mit Schiefer, Fachwerk und grünen Fensterläden befinden sich Gebäude aus den 1970er bis 1990er Jahren. Somit entsteht ein Mix an Gebäudetypen. Die Gebäude weisen augenscheinlich überwiegend keine baulichen Mängel auf.

Abbildung 43) Gebäude an der Keilbecker Straße in gutem Zustand (Quelle: steg NRW GmbH)

Am Siedlungsweg befindet sich eine Gebäudezeile mit Leerstand (siehe Abbildung 44). Dies steht im klaren Gegensatz zu den restlichen Gebäuden der Straße (Einfamilienhäuser, Haus Thiele) und wirkt sich damit negativ auf das Umfeld aus.

Abbildung 44) Leerstand am Siedlungsweg (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 45) Siedlungsweg mit Eibnfamilenhäusern (Quelle: steg NRW GmbH)

Am nordwestlichen Ende des Siedlungsweges befinden sich Mehrfamilienhäuser im typischen Baustil der 1970er bis 1980er Jahre mit Flachdach. Durch die Hanglage sind die Gebäude zum Straßenraum hin mit zwei Etagen relativ flach, vom Schröderweg aus sind vier Etagen sichtbar.

Abbildung 46) Gebäude aus den 1970er-1980er Jahren am Siedlungsweg (Quelle: steg NRW GmbH)

Ein Teil der Gebäudezeile passt sich mit der Schieferfassade an die historischen Gebäude an und befindet sich in einem guten Zustand. Die Haustüren sind hier erneuert worden und befinden sich ebenfalls in einem guten Zustand (siehe Abbildung 47). Der zweite Teil mit Putzfassade weist Aufwertungsbedarf an der Fassade sowie bei den Eingangsbereichen auf (siehe Abbildung 46). Am Siedlungsweg befindet sich zudem das städtebaulich prägnante historische evangelische Kirchengebäude.

Abbildung 47) Gebäude aus den 1970er-1980er Jahren am Siedlungsweg mit Schieferfassade (Quelle: steg NRW GmbH)

Entlang der Keilbecker Straße befinden sich kleine Mehrfamilienhäuser und auch Einfamilienhäuser im bergischen Stil. Die großen Fenster im Erdgeschoss der Gebäude zeigen, dass die ehemaligen Ladenlokale an der Hauptgeschäftsstraße zu Wohnzwecken umgenutzt worden sind.

Abbildung 48) Gebäude entlang der Keilbecker Straße (Quelle: steg NRW GmbH)

An der Keilbecker Straße/Ecke Flurstraße befinden sich Neubauten, die aufgrund der Topografie unterhalb des Straßenniveaus liegen.

Abbildung 49) Neubauten an der Keilbecker Straße (Quelle: steg NRW GmbH)

An der Mittelstraße befinden sich Mehrfamilienhäuser, die zum großen Teil leer stehen (siehe Abbildungen 50,51).

Abbildung 50) Leerstände an der Mittelstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Die Gebäude weisen hohen Aufwertungsbedarf auf. Die Fassaden, Fenster und Türen befinden sich in einem schlechten Zustand. Die Gebäude befinden sich in Privatbesitz von Einzeleigentümern (Mittelstraße 5 und 7) sowie von Immobiliengesellschaften (Mittelstraße 9/11 und 3).

Abbildung 51) Rückseite Leerstand Mittelstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

An der Weber-, Flur- und Tuchstraße befinden sich Einfamilienhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser in überwiegend gutem Zustand.

Abbildung 52) Weberstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Auffällig ist, dass zwischen den Gebäuden Fußwegeverbindungen bestehen. Dabei ist jedoch nicht erkennbar, ob es sich um Privatwege handelt und wo diese hinführen. Aufgrund der Topographie sind diese in der Regel nicht barrierefrei. I

Abbildung 53) Nicht barrierefreie Webverbindung Tuchstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Im Rahmen eines ganzheitlichen Freiraum- und Wegekonzeptes könnten hier Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden, die sowohl die Orientierung als auch die Barrierefreiheit und Sicherheit als Themen aufgreifen.

Der Wohnpark Auf der Brede mit Mehrfamilienhäusern aus den 1970er bis 1980er Jahren sticht aus der übrigen städtebaulichen Struktur hervor. Es sind fünf Gebäudezeilen mit drei Geschossen und vier Punkthäuser mit jeweils vier Geschossen vorhanden. Die Gebäude haben Flachdächer und Balkone an jeder Wohnung. Die Fassaden aller Gebäude sind einheitlich mit Schiefer und hellgrüner Farbe gestaltet. Augenscheinlich sind an den Fassaden keine großen baulichen Mängel sichtbar. Jedoch kann aufgrund des Baualters und der typischen Bauweise zu dieser Zeit davon ausgegangen werden, dass die Gebäudetechnik veraltet ist und energetische Mängel (z.B. Dacheindeckung) vorliegen. Die Wohnungen sind heute mehrheitlich aus der Sozialbin-dung heraus (Quelle: statistische Daten des Oberbergischen Kreises/Stadt Radevormwald).

Abbildung 54) Gebäudezeilen Wohnpark Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Das Wohnumfeld weist zudem Aufwertungsbedarf auf. Die Wiesenflächen zwischen den Gebäuden sind zwar bepflanzt und gepflegt, jedoch befinden sich dort auch Baucontainer, Abfälle von Grünschnitt und Sperrmüll, was zu einer Abwertung des öffentlichen Raums führt. Die Zuwegungen zu den Eingangsbereichen sind sehr schmal, die Fugen sind stark bewachsen. Ein barrierefreier/-armer Zugang ist hier nur schwer möglich. Bei Feuchtigkeit, besteht zudem Rutschgefahr. Der private Spielplatz ist ebenfalls veraltet und bietet keine attraktiven Spielmöglichkeiten.

Abbildung 55) Zuwegung Wohnpark Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Im Wohnpark Auf der Brede herrscht sichtbar Leerstand. Einige Gebäude stehen fast komplett leer. Gründe könnten entweder im schlechten Zustand der Wohnungen liegen oder darin, dass für Mehrfamilienhäuser in diesem Segment keine Nachfrage in den Wupperorten besteht.

Abbildung 56) Punkthaus Wohnpark Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Eigentümer ist eine Immobiliengesellschaft. Die Stadt hat mehrmals versucht, Kontakt mit den Eigentümern aufzunehmen und hat bislang keinerlei Rückmeldungen erhalten. Insofern kann derzeit über eine Neugestaltung der Gebäude mit Fördermitteln und die Ertüchtigung des Wohnumfeldes nicht mit den Eigentümern verhandelt werden. Die Stadt signalisiert jedoch weitere Gesprächsbereitschaft.

Abbildung 57) Garagenhof Wohnpark Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 58) Spielplatz Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Die Straße Auf der Brede verläuft V-förmig auf einen überdimensionierten Kreisverkehr an ihrer Spitze zu. Die Verkehrsfläche wirkt kaum genutzt viel zu groß für die hiesigen Verhältnisse.

Abbildung 59) Kreisverkehr Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Darüber hinaus schließt ein großer Garagenhof an diesen Platz an, der sich in einem schlechten Zustand befindet und zum Teil ungenutzt wirkt.

Abbildung 60) Garagenhof Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Auf der einen Seite befinden sich die mehrgeschossigen Gebäude des Wohnparks, auf der anderen Seite schließen intakte Einfamilienhäuser an, die augenscheinlich zunächst keinen Handlungsbedarf aufweisen. Insgesamt wirkt der Straßenraum vernachlässigt, die Gehwege sind sehr schmal und die Fahrbahndecke muss nach Auskunft der Stadt in den nächsten Jahren erneuert werden. Insofern sind hier zukünftig weitreichende Erneuerungsmaßnahmen erforderlich.

Abbildung 61) Schmale und fehlende Gehwege Auf der Brede (Quelle: steg NRW GmbH)

Vom südlichen Ende des „V“ führt ein unbefestigter Fußweg entlang von Garagen, die scheinbar zum großen Teil ungenutzt sind, zum Familienzentrum. Der Weg ist stark bewachsen und relativ dunkel und stellt somit vor allem im Herbst/Winter einen Angstraum dar.

Abbildung 62) Unbefestigter Fußweg zum Familenzentrum (Quelle: steg NRW GmbH)

Der Weg endet in einem Wendehammer, der ebenfalls gestalterische Defizite aufweist. Der Eingangsbereich der Schule und zum „Amphitheater“, einem offenen, abgetreppten Rundsitz, wirken wenig gepflegt und in die Jahre gekommen. Von hier aus ist nicht ersichtlich, dass hier die Gemeinschaftsgrundschule, der Jugendtreff und die Kindertagesstätte unmittelbar anschließen.

Abbildung 63) Garagenhof entlang Fußweg (Quelle: steg NRW GmbH)

Im südwestlichen Teil von Keilbeck liegt die ehemalige Textilfabrik Hardt & Pocorny (HPC). Das Gelände mit einer Größe von circa 3,4 ha erstreckt sich über eine Länge von circa 400 Metern entlang der Wupper bis zur Stauanlage Dahlhausen. Das gesamte Gelände wurde von einem Investor aus der Konkursmasse der ehema-ligen Textilfabrik aufgekauft mit dem Ziel, es wieder gewerblich nutzbar zu machen. Hierzu sowie zur Lösung der Immissionskonflikte mit der angrenzenden Wohnnutzung wurde ein Bebauungsplan aufgestellt. Die gewerbliche Wiedernutzung des Geländes ist lediglich teilweise gelungen, da neben den weiterhin bestehenden Leerständen die aktuell vorhandenen Nutzungen nicht den Vorstellungen der Stadt entsprechen und vor allem nicht gewünschte Gewerbebetriebe ansprechen. Der überwiegende Teil von HPC befindet sich heute im Eigentum einer privaten Immobiliengesellschaft.

Abbildung 64) Ehemaliges Fabrikgebäude mit baulichen Mängeln (Quelle: steg NRW GmbH)

Der Gebäudebestand der Textilfabrik ist noch weitestgehend erhalten und steht teilweise unter Denkmal-schutz. Jedoch verfallen die Gebäude zunehmend, einige Gebäude sind bereits eingestürzt. Auf dem Grundstück befinden sich mehrere Altlastenverdachtsflächen, eine systematische Gefährdungsabschätzung gibt es nicht.

Abbildung 65) Ungenutztes, marodes Gebäude auf dem Gelände HPC (Quelle: steg NRW GmbH)

An der Stauanlage Dahlhausen befindet sich ein historisches Wasserwerk, was an Einzelterminen besichtigt werden kann. Eine Einbindung in die bestehenden touristischen Angebote wie Wander- oder Radwege erfolgt nicht.

Abbildung 66) Gebäude mit historischem Wasserwerk Dahlhausen (Quelle: steg NRW GmbH)

Abbildung 67) Stausee Dahlhausen (Quelle: steg NRW GmbH)

Im Norden von Keilbeck liegt die dritte ehemalige Textilfabrik Schürmann & Schröder. Das Gelände ist rd. 2,07 ha groß. Aus der Konkursmasse der ehemaligen Textilfabrik kaufte ein Investor das Gelände mit dem Ziel, es – wieder – gewerblich nutzbar zu machen. Dabei führte die zentrale Lage des Geländes innerhalb der Wupperorte dazu, dass der südliche Geländeteil zu einem Nahversorgungszentrum umgenutzt worden ist (der sogenannte Wuppermarkt). Der größte Betrieb an diesem Standort ist ein Lebensmitteldiscounter mit rd. 800 m² Verkaufsfläche, der jedoch in der Zukunft aufgegeben werden soll.

Abbildung 68) Gewerbliche Nutzung Wuppermarkt (Quelle: steg NRW GmbH)

Die Wiedernutzung des nördlichen Geländeteils gelang zuerst nur sehr zögerlich. Im Mai 2016 übernahm ein privater Investor das gesamte Gelände. Neben dem Erhalt des Einzelhandelsstandortes plant er für den nördlichen Geländeteil eine abschnittsweise Sanierung des Gebäudebestandes, um hier Wohnungen sowie Wohnungen kombiniert mit wohnverträglichen Arbeitsstätten (Lofts) zu vermieten. Der Gebäudebestand ist teilweise denkmalgeschützt und es handelt sich um eine Altlastenverdachtsfläche.

Abbildung 69) Umnutzung des nördlichen Teils (Quelle: steg NRW GmbH)

Entlang des Parkplatzes für das Nahversorgungszentrum verläuft die Wupper, welche jedoch nicht zugänglich ist. Die fußläufige Erreichbarkeit des Standortes ist im Grunde nicht gegeben. Aufgrund der Topographie sind große Umwege zurückzulegen, direkte Wegeverbindungen vom oberen Siedlungsbereich existieren nicht. Auch entlang der Wuppertalstraße existieren nur in Teilbereichen Fußwege, eine direkte Verbindung zum Wupperauenpark und zu den anderen ehemaligen Industriestandorten gibt es nicht. Hier besteht künftig Anpassungsbedarf.


Dahlhausen
Westlich angrenzend an die ehemalige Fabrik HPC liegt der Ortsteil Dahlhausen. Dieser ist durch einige denkmalgeschützte Villen und Arbeiterhäuser geprägt. Am alten Dahlhauser Bahnhof befindet sich der „Förderverein Wupperschiene“ mit historischen Lokomotiven und Waggons, der zukünftig gerne wieder einen Zugverkehr mit historischen Wagen einrichten möchte.

Abbildung 70) Bahnhof Dahlhausen (Quelle: Thomas Weber)

Von Keilbeck kommend führt die Straße nach Dahlhausen unter dem historischen Eisenbahnviadukt hindurch, das gewissermaßen den Eingang in den Ortsteil markiert. Dahlhausen liegt auf der anderen Seite der Wupper und wirkt dadurch von den übrigen Wupperorten abgetrennt. Hier sind keine weiteren nennenswerten Einrichtungen vorhanden.

Abbildung 71) Historisches Eisenbahnviadukt (Quelle: Peter Lorenz)


Wohnraumversorgung
Das durchschnittliche Mietniveau in Radevormwald beträgt 5,80 €/m² (vgl. Mietspiegel 2017 Oberbergischer Kreis) - Zum Vergleich: Beim geförderten Wohnungsbau fällt Radevormwald in das Mietniveau der Stufe 3 und könnte hier Mieten zwischen 5,25 €/m² und 6,10 €/m² erzielen, je nach Einkommen der Berechtigten.
  • Auf der Brede (unabhängig vom Mietobjekt): 5,68 €/m²
  • Schröderweg (unabhängig vom Mietobjekt): 6,02 €/m²
  • Mittelstraße (unabhängig vom Mietobjekt): 5,93 €/m²
  • Keilbecker Straße (unabhängig vom Mietobjekt): 5,95 €/m²
  • Wülfingstraße (unabhängig vom Mietobjekt): 5,80 €/m²
(vgl. Mietspiegel 2017 Oberbergischer Kreis)

Die Abfrage unterschiedlicher Adressen im Mietspiegel zeigt, dass das Mietniveau in den Wupperorten nur leicht über bzw. im Niveau der Gesamtstadt liegt. Auffällig ist die Straße Auf der Brede mit den Mehrfamili-enhäusern aus den 1970er Jahren. Hier liegt das Mietniveau mit 5,68 €/m² unter dem durchschnittlichen Mietniveau der Stadt. Insgesamt liegt das Mietniveau jedoch in einem durchschnittlichen Bereich (siehe auch Aussage zum geförderten Wohnungsbau), in Teilbereichen fällt jedoch auf, dass in Anbetracht des Zustandes mancher Immobilien und des Leerstandes ein recht hoher Mietzins verlangt wird.

Bei der Betrachtung der Kauffälle von Ein- und Zweifamilienhäusern im Zeitraum von 2009 bis September 2017 fällt eine Preissteigerung auf (siehe Abbildungen 72. 73). In den Wupperorten liegt der durchschnittliche Kaufpreis im Jahr 2010 bei circa 600 €/m². Bis Mai 2016 ist dieser auf circa 1.400 €/m² angestiegen. In der Gesamtstadt ist Ende 2009 ein Kaufpreis von circa 1.100 €/m² vorhanden und liegt damit über den Wupper-orten. Auch in der Gesamtstadt sind die Kaufpreise angestiegen, allerdings nicht so stark wie in den Wupper-orten. Im Jahr 2016 liegt der Kaufpreis ebenfalls bei circa 1.450 €/m². Es ist jedoch zu beachten, dass insge-samt eine Preissteigerung bei Immobilien stattgefunden hat.

Abbildung 72) Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser in Radevormwald (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Abbildung 73) Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser in den Wupperorten (Quelle: Oberbergischer Kreis)

In den Wupperorten sind 73 Sozialwohnungen vorhanden. Allerdings läuft Ende 2021 für 54 Wohnungen die Bindung aus. Es ist jedoch festzustellen, dass bei den öffentlich geförderten 73 Wohnungen ein Leerstand von 24 Wohnungen ausgewiesen ist. Dies bedeutet, dass trotz Wohnungsnachfrage nach gefördertem Wohnraum ein Drittel des Bestands leer steht. Insgesamt sind in den Wupperorte 241 Leerstände vorhanden (Stand März 2017). Laut Aussagen der Stadt wollen viele Menschen aufgrund der schlechten Erreichbarkeit und der schwierigen Nahversorgungssituation vor Ort nicht in die Wupperorte ziehen, obwohl hier günstiger Wohnraum vorhanden wäre.


2.6 Verkehrsstruktur

Die Wupperorte werden durch ein Netz aus verschiedenen Straßen unterschiedlicher Klassifizierung erschlos-sen. Die Hauptachsen bilden dabei die Landstraßen L414/L81 zwischen Radevormwald und Wuppertal, die L81 zwischen Radevormwald-Herbeck über Dahlhausen in Richtung Remscheid und die L130 über Keilbeck zur B483. Im Binnenbereich besteht ein dichtes Netz aus Stadtstraßen, zum großen Teil in der Qualität von Wohnsammelstraßen bis hin zu reinen Anwohnerstraßen. Außerdem sind Fußwegeverbindungen vorhanden, die die einzelnen Wohnbereiche verbinden.

Die Haupterschließung des Teilbereichs Keilbeck mit Schröderweg, Mittelstraße und Keilbecker Straße (L130) ist dabei durch eine Einbahnstraßenregelung geprägt, die seinerzeit zur Beseitigung von Unfallschwerpunkten, also insbesondere zur Erhöhung der Verkehrssicherheit eingerichtet wurde. Über die klassifizierten Straßen erfolgt die Anbindung an die Stadt Radevormwald sowie die Nachbarstädte Remscheid und Wuppertal.

Abbildung 74) Verkehrssituation Keilbecker Straße (Einbahnstraßenregelungen) (Quelle: steg NRW GmbH)

Es dominiert der motorisierte Individualverkehr. Für Radfahrer, besonders für Kinder und Familien, ist die Situation vor allem aufgrund der bewegten Topografie schwierig und kann nur mit geeigneten Hilfsmitteln (z.B. Pedelecs) attraktiver gestaltet werden. Ein Radweg besteht derzeit nur entlang der L414 von Dahlhausen bis Wuppertal-Beyenburg. Weitere Radwege ins Zentrum von Radevormwald sind nicht vorhanden. Auch für Fußgänger bestehen keine optimalen Voraussetzungen. Die Bürgersteige sind häufig sehr schmal und nur an einer Straßenseite vorhanden. Teilweise enden die Bürgersteige, sodass Fußgänger die Straßenseite wechseln müssen. Zudem sind häufig keine Querungsmöglichkeiten vorhanden.

Abbildung 75) Plötzliches Ende des Bürgersteigs Wupperstraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Eine Anbindung an schienengebundenen Nahverkehr wurde bereits vor vielen Jahren stillgelegt und besteht nicht. Eine Reaktivierung der Verbindung nach Wuppertal außer für touristische Zwecke steht nicht an.

Hinsichtlich der ÖPNV Anbindung bestehen Defizite. Insbesondere durch die einzigartige Topografie der Wupperorte (Bahnhof, Gewerbeflächen, Versorgungsstruktur im tiefen Tal der Wupper, Wohnumfeld steil auf dem Berg) sind die Wohnbereiche wie folgt angebunden: Zurzeit fährt die Buslinie 626 die nord-süd verlaufende Route (Verbindung Radevormwald – Wuppertal) an der Wupper entlang bis Dahlerau und bietet bei bestimmten Fahrten über eine sogenannte Schleife (über Schröderweg/Keilbecker Straße) einen Transport „bis auf den Berg“. Wochentags fährt der Bus in den Morgenstunden (6-8 Uhr) und in den Nachmittag- und Abendstunden (15-20 Uhr) im Halbestunden-Takt. In der restlichen Zeit fährt der Bus stündlich. Samstags und sonntags fährt der Bus ebenfalls stündlich. Die Betriebszeit reicht lediglich bis nach 22 Uhr, samstags ist die letzte Fahrt um kurz nach 24 Uhr. Die Haltestellen „auf dem Berg“ werden lediglich zwischen 5 und 7 Uhr, 14 und 15 Uhr sowie 19 und 20 Uhr einmal in der Stunde angefahren. Für die Anbindung der Wohngebiete auf dem Berg bestehen somit erhebliche Defizite.

Abbildung 76) Haltestelle Schröderweg ohne Wartebereich (Quelle: steg NRW GmbH)

Eine weitere Buslinie 659 versorgt derzeit noch die west-östliche verlaufende Route aus Remscheid bis hinauf zum Wohngebiet Auf der Brede/Herkingrade. Die Buslinie wird jedoch Ende 2017 vom Betreiber Stadtwerke Remscheid wegen mangelnder Nachfrage eingestellt. Diese Linie endet zukünftig außerhalb des Stadtgebietes von Radevormwald. An den Bushaltestellen fehlen zum großen Teil geschützte Wartebereiche mit Sitzmöglichkeiten, Beleuchtung und einem barrierefreien Einstieg.

Im Rahmen der Überarbeitung des Nahverkehrsplans des Oberbergischen Kreises erfolgt zur teilweisen Kompensation dieser wegfallenden Linie ab Anfang 2018 bei bestimmten Fahrten die Streckenführung der Linie 626 nicht mehr über Dahlhausen nach Radevormwald-Herbeck, sondern über Keilbeck/Auf der Brede / Herkingrade/Önkfeld/Ülfebad zum Schulzentrum und weiter bis zum Busbahnhof Radevormwald. Hierdurch wird das Wohngebiet an das Stadtzentrum angebunden. Dies bedeutet allerdings, dass das Versorgungs-zentrum Wuppermarkt sowie das Gebiet Dahlhausen u.a. mit dem Haus des Betreuten Wohnens bei diesen Fahrten nicht mehr bedient wird.

Abbildung 77) Wartebereich an der Mittlestraße (Quelle: steg NRW GmbH)

Unterstützt wird der ÖPNV in den Wupperorten durch den Bürgerbus (vgl. Kapitel 2.3, s.a. Website Bürgerbusverein), der nach einem festen Fahrplan mit dem sog. „Wupper-Blitz“ derzeit an drei Wochentagen je zweimal täglich eine Anbindung zur Innenstadt bietet. Taxiunternehmen bzw. Taxis vor Ort gibt es nicht. Für die Wupperorte gilt es zur Sicherung der Mobilität dringend zukunftsfähige, nachhaltige Lösungen zu finden.

Abbildung 78) Aktuelle Linienführung der Busse (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Abbildung 79) Entwurf Linienführung 626 (Quelle: Oberbergischer Kreis)


Pendlerdaten
Aufgrund der wenigen Arbeitsplätze in den Wupperorten pendeln viele Bewohner in die benachbarten Städte wie Remscheid, Wuppertal oder Radevormwald-Zentrum. Dies wird auch in der Pendlerrechnung NRW von (2010 – 2012) ersichtlich, in der Radevormwald mit 5.580 Tagesauspendlern ausgewiesen wird. Dies ist bei einer Einwohnerzahl von 23.399 (Stand 2012) mehr als ein Drittel (32,70 %) der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Bewohner (insgesamt 7.651 lt. BfA vom 30.06.12), die außerhalb von Radevormwald arbeiten. In den Wupperorten ist das Pendeln jedoch fast nur motorisiert möglich, da der öffentliche Personennahverkehr extrem eingeschränkt ist.


2.7 Grün- und Freiflächenstruktur

Die Wupperorte liegen eingebettet in großzügigen Wald- und Wiesenflächen. Das Tal der Wupper ist stark bewaldet. Entlang der Wupper sind viele Wandermöglichkeiten, u.a. die beiden prämierten Rundwanderwege „Wald-Wasser-Wolle-Wander-Weg“ und „Tuchmacherweg“ vorhanden. Die Wanderwege führen jedoch auf der nördlichen und westlichen Uferseite der Wupper entlang und damit nicht auf der Seite des Siedlungsgefüges in Keilbeck. Die Ausflügler werden somit nicht durch die Wupperorte geführt. Ein Teilabschnitt des Pilgerpfades „Jakobsweg“ führt von Wuppertal-Beyenburg aus kommend durch den südlichen Teil von Keil-beck. Weiterhin ist die Wupper nicht zugänglich und damit nicht erlebbar.

Öffentliche Grün- und Freiräume sowie Spielplätze sind neben Spielorten für Kinder und Jugendliche auch generationenübergreifend wichtige Orte der Begegnung und Integration. Innerhalb der Siedlung sind auf-grund der Bebauungsstruktur (hauptsächlich Ein- und Zweifamilienhäuser) überwiegend private Grün- und Freiflächen vorhanden.


Spielplätze
An der Tuchstraße befindet sich ein öffentlicher Spielplatz (siehe Abbildung 80). Dieser ist mit einem Klettergerüst, einer Netzschaukel, einem Wipptier, einem kleinen Karussell und einem Sandkasten ausgestattet. Das Angebot richtet sich an Kinder bis circa sechs Jahren. Der Spielplatz ist in einem intakten Zustand, es kann mittel- bis langfristig jedoch mit einer grundlegenden Erneuerung gerechnet werden.

Abbildung 80) Spielplatz Tuchstraße (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Der zweite städtische Spielplatz befindet sich am Familienzentrum (siehe Abbildung 81). Dieser ist mit einem Kletterpfad und einer Schaukel ausgestattet. Die vorhandenen Geräte befinden sich in einem guten Zustand. Jedoch ist die Wiesenfläche neu zu gestalten und die Rasengittersteine sind zu entfernen. Weitere Spielmöglichkeiten sollten ergänzt werden. Ebenso fehlen Sitzmöglichkeiten und weitere Spielgeräte sind vorgesehen, sodass eine generationenübergreifende Nutzung möglich ist.

Abbildung 81) Spielplatz am Familienzentrum (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Südlich der Turnhalle befindet sich eine ungenutzte Wiesenfläche (siehe Abbildung 82). Hier kann über eine sportliche Nutzung als Ergänzung zum Sportplatz und zur Turnhalle nachgedacht werden.

Abbildung 82) Wiesenfläche südlich der Turnhalle (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Auf der Brede ist ein privater Spielplatz vorhanden (siehe Abbildung 83). Die Spielgeräte (Klettergerüste, eine Schaukel und ein Sandkasten) befinden sich in einem schlechten und ungepflegten Zustand.

Abbildung 83) Spielplatz Auf der Brede (Quelle: Oberbergischer Kreis)


Freiflächen
Vor der Turnhalle an der Färberstraße ist ein großzügiger Platz vorhanden (siehe Abbildung 84). Dieser ist komplett asphaltiert und wird zum Parken sowie als Wendekreis für Busse genutzt. Der Platz bietet somit keinen attraktiven Eingang in die neu sanierte Sporthalle. Es sollte über eine Entsiegelung und Neugestaltung nachgedacht werden. Die vorhandenen Parkplätze sollen erhalten, jedoch neu strukturiert werden.

Abbildung 84) Platz vor der Turnhalle (Quelle: Oberbergischer Kreis)

Die evangelische Kirche am Siedlungsweg wird von großzügigen Freiflächen umgeben. Der Bereich vor der Sparkasse an der Kirchstraße stellt momentan ein kleines Zentrum dar. Dort ist jedoch keine Aufenthaltsqualität bzw. Treffpunkte vorhanden.

Abbildung 85) Freiflächen an der evangelischen Kirche (Quelle: Oberbergischer Kreis)

An der Wuppertalstraße befindet sich der Wupperauenpark. Der kleine Park wurde vor allem durch das Engagement des Wuppervereins gestaltet. Es befinden sich Kunstwerke, die an die Tuchindustrie erinnern, im Park. Die Wupperaue ist nicht in ein Wegenetz entlang der Wupper eingebunden.

Abbildung 86) Bereich vor der Sparkasse (Quelle: Oberbergischer Kreis)


2.8 Umwelt und Stadtklima

Der Untersuchungsraum bietet den Vorteil eines naturräumlich attraktiven Bereichs mit Bewaldung, großen Naturschutzgebieten und geschützten Biotopen. Wichtige Landschaftselemente sind außerdem die bewegte Topografie, die Tallage sowie die Wupper.


Lokales Klima, Klimaanpassung und Klimaschutz
Das Untersuchungsgebiet ist überwiegend gut durchlüftet und damit ein klimatisch günstiges Gebiet. Südlich von Keilbeck und Dahlhausen, circa ab der Stauanlage Dahlhausen sowie dem ehemaligen HPC Gelände, nimmt die Durchlüftungsqualität im Tal der Wupper in Richtung Wilhelmstal und Krebsöge ab und ist nur noch als mittlere Entlüftung klassifiziert. Der Großteil der Siedlungsbereiche ist hiervon jedoch nicht betroffen, weshalb kein unmittelbarer Handlungsbedarf abgeleitet werden kann.

Im integrierten Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2012 verfolgt die Stadt Radevormwald die Ziele des Klima-schutzes und der Klimaanpassung. Im Zuge der Untersuchung konnte festgestellt werden, dass ein großer Teil der Gebäude im Untersuchungsraum hinsichtlich Fenstern, Dächern und Fassaden einen hohen Sanie-rungsbedarf hat. Hier besteht Nachbesserungsbedarf, im Klimaschutzkonzept werden dazu vor allem quar-tiersbezogene Beratungen empfohlen (vgl. Gertec 2012: 94ff).

Tabelle 5 zeigt die im Bereich Klimaschutz angestrebten Maßnahmen auf Ebene der Gesamtstadt.

Tabelle 5) Maßnahmen zum Klimaschutz (Quelle: Gertec 2012: 44)

Ergänzend können auch die Schaffung und der Erhalt von Freiflächen, die Begrünung von Straßenräumen, die Begrünung von Dächern und Fassaden, die Entsiegelung von Flächen, die Herstellung möglichst naturnaher Versickerungsmöglichkeiten oder auch die Bepflanzung von urbanen Freiflächen den Themen möglicher Hitzebelastungen sowie den Folgen von extremen Niederschlägen vorbeugen (vgl. MKULNV NRW 2011: 57ff.).

Trotz der guten Durchlüftung der Siedlungsräume, sollte bei sämtlichen Planungen auf Möglichkeiten der Klimafolgenanpassung geachtet werden. Hierbei sind auch die Planungen des Wupperverbandes für die ökologische Verbesserung des Wuppersystems zu beachten, mit denen andere mögliche Planungen im Tal der Wupper abgestimmt werden müssen. Weiterhin ist die Beachtung der Maßnahmen des Klimaschutzes wichtig.

Die Entsiegelung von Flächen sowie die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude sind daher in diesem Bereich wichtige Maßnahmen, die für die Wupperorte angestrebt werden sollen. Größere versiegelte Bereiche im Rahmen der Freiflächen und Plätze befinden sich auf dem Schulhofgelände sowie auf den Platz vor der Turnhalle bzw. entlang der Färberstraße. Hier können im Rahmen von Umgestaltungsmaßnahmen neben der Aufwertung des öffentlichen Raums auch eine Verbesserung der naturräumlichen Funktionen wie der Evapotranspiration (Verdunstung von Wasser) oder der Regenwasserversickerung erzielt werden. Das Gebäude der Grundschule ist hinsichtlich des Energieverbrauchs nicht auf dem neusten Stand der Technik. Eine energetische Sanierung würde hier einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bei der Nachnutzung der ehemaligen Gelände der Industrie ist auf die Ziele der Klimaanpassung, des Klimaschutzes, den Erhalt der guten Durchlüftung sowie den Erhalt der Biotope und Schutzgebiete zu achten. Möglich erscheint hier beispielsweise der teilweise ersatzlose Rückbau von Gebäuden, die nicht unter Denkmalschutz stehen oder deren baulicher Zustand einen Erhalt nicht zulässt.

In Hinblick auf die Freiraumplanung sind neue Fußwegeverbindungen, die baulichen Maßnahmen zur Struk-turverbesserung der Wupper und die Ziele des Naturschutzes miteinander zu koordinieren und Eingriffe abzuwägen. Die Wupperorte würden darüber hinaus von den oben genannten Maßnahmen profitieren, die auf gesamtstädtischer Ebene angedacht sind (z.B. in Bezug auf Beratungsleistungen bei Energietechnik).


Lärm
Die Thematik der Lärmbelastung spielt im Untersuchungsraum eine untergeordnete Rolle. In den Wupperorten befindet sich keine Straße mit einer Frequenz von über drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr. Innerhalb der Grenzen der Stadt Radevormwald betrifft dies lediglich die Bundesstraße 229. Diese verläuft südlich des Untersuchungsraums mit einem Abstand von circa einem Kilometer. Daher ist nicht von einer Beeinträchtigung des Untersuchungsraums auszugehen (vgl. Stadt Radevormwald 2014: 3f. und 9f.).

Die Eisenbahnstrecke durch das Tal der Wupper wurde in den 1970er Jahren stillgelegt und dient derzeit vorwiegend Fahrten mit der Fahrraddraisine. Mittel- bis langfristig soll die Nutzung durch Museumseisen-bahnen ermöglicht werden (vgl. Website Förderverein Wupperschiene). Von einer Lärmbelastung durch die Schiene ist aus diesem Grund nicht auszugehen.


Wasser und Hochwasser
Der Untersuchungsraum wird in Süd-Nord-Richtung durch die Wupper durchflossen, welche vor Ort ein enges Tal bildet. Südlich der ehemaligen Tuchfabrik HPC schließt unmittelbar eine Stauanlage an und staut den Fluss in südlicher Richtung. Nördlich dieser Anlage mündet die aus Richtung Osten kommende Uelfe in die Wupper. Diese wurde westlich der Mündung in die Wupper bis zum Jahr 2014 naturnah umgestaltet.

Entlang des Flussverlaufs von Wupper und Uelfe wurden Überschwemmungsgebiete festgelegt. Das größte Überschwemmungsgebiet befindet sich in der Schleife zwischen Vogelsmühle, Keilbeck und Dahlerau, nördlich des Bahnhofs Dahlerau. Diese sind von Bebauung freizuhalten.

Abbildung 87) Festgelegte Überschwemmungsgebiete im Untersuchungsraum (Quelle: Stadt Radevormwald)

Die Gewässergüte der Wupper innerhalb des Untersuchungsraums wird durch das Landesministerium als mäßig belastet (Gewässergüte II) eingestuft. Die Gewässerstruktur wird überwiegend als mäßig und deutlich verändert eingestuft (Strukturklassen 3 und 4), mit lediglich einzelnen Punkten vollständiger Veränderung (Strukturklasse 7; vgl. MKULNV NRW 2016: 44ff. und Website LANUV NRW Gewässerstrukturen Nordrhein-Westfalen). Hier besteht somit Bedarf, eine Verbesserung der Gewässergüte und -struktur zu erzielen. Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur und der ökologischen Güte sind im Bewirtschaftungsplan und im Umsetzungsfahrplan des Wupperverbandes aufgeführt (siehe Tabelle 7). Für die Umsetzung der Maßnahmen sind – je nach Art der Maßnahme – der Wupperverband, die Stadt Radevormwald oder sonstige Träger verantwortlich. Bereits umgesetzt wurde die Entfernung nicht lebensraumtypischer Gehölzer im Uferbereich der Wupper (vgl. MKULNV NRW 2016: 144f; Wupperverband 2012: Anhänge III und IV).

Tabelle 6) Maßnahmen zur Verbesserung von Wasserqualität und Strukturgüte der Wupper (Quelle: MKULNV NRW 2016: 144f.; Wupperverband 2012: Anhänge III und IV)


Naturschutzgebiete und Biotope
Der Untersuchungsraum wird naturräumlich durch das Tal der Wupper bestimmt, dessen Hänge und Nebentäler bewaldet sind. Die höheren Lagen werden landwirtschaftlich genutzt. Im Untersuchungsraum existieren mehrere Schutzgebiete unterschiedlicher Kategorien. Einen Überblick hierzu findet sich in Abbildung 88.

Das Naturschutzgebiet Wupper folgt dem Wupperverlauf durch das Tal. Durch die denkmalgeschützte ehe-malige Tuchfabrik Wülfing ist es baulich stark eingegrenzt. Bis Keilbeck verläuft das der Uelfe folgende Naturschutzgebiet Uelfetal als zweites großes Naturschutzgebiet im Untersuchungsraum. Bebauung und Wupperstraße bilden eine Abgrenzung zum Naturschutzgebiet Wupper. Ein Großteil des Betrachtungsraums ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Im Zuge des Naturschutzgebietes Wupper ergeben sich im Be-trachtungsraum vier FFH-Schutzgebiete:
  • Nördlich von Grunewald und Tuchfabrik Wülfing
  • Nördlich des Bahnhofs Dahlerau zwischen Niederdahl, Dahlerau und Keilbeck
  • Zwischen Vogelsmühle, Dahlhausen und Keilbeck
  • Südlich von Dahlhausen und der ehemaligen Tuchfabrik HPC
Darüber hinaus existieren vier geschützte Biotope:
  • Nördlich von Grunewald und der ehemaligen Tuchfabrik Wülfing
  • Nördlich des Bahnhofs Dahlerau zwischen Niederdahl, Dahlerau und Keilbeck
  • Zwischen Vogelsmühle und Dahlhausen
  • Südlich von Keilbeck im Naturschutzgebiet Uelfetal
Daraus ergeben sich im Untersuchungsraum drei wesentliche Biotopverbundsysteme:
  • Ein Verbund, der auf dem Naturschutzgebiet Wupper basiert und mehrere geschützte Biotope sowie FFH-Gebiete enthält und sich in Nord-Süd-Richtung entlang des Tals der Wupper erstreckt. Dieses System setzt sich in Nebentälern fort und besitzt mehrere Abzweige, wie beispielsweise nördlich von Niederdahl oder westlich von Dahlhausen.
  • Ein kleinerer Biotopverbund nördlich von Keilbeck, südlich der ehemaligen Tuchfabrik Wülfing, welcher durch Wupper und Wuppertalstraße vom Biotopverbundsystem Wupper leicht abgetrennt ist.
  • Ein großes Biotopverbundsystem, das vom Naturschutzgebiet Uelfetal ausgeht und sich in Richtung Osten ausdehnt. Es endet im Westen vor der Wuppermündung. Eine optimale Verbindung des Systems mit dem Biotopverbund Wupper an der Mündung ist durch die vorhandene Bebauung und die Wuppertalstraße schwer realisierbar.
Die geschützten Biotope und FFH-Gebiete dürfen durch die Planungen nicht tangiert werden. Bei optimaler Abstimmung von Maßnahmen können sich Zielkongruenzen ergeben, die sowohl die ökologische Situation im Untersuchungsraum weiter verbessern, als auch dessen Attraktivität erhalten oder sogar erhöhen.

Abbildung 88) Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete und Landschaftsschutzgebiete im Untersuchungsraum (Quelle: Stadt Radevormwald)


3 Zukünftige Entwicklung

3.1 Stärken und Schwächen

Aus der Analyse sind zum derzeitigen Zeitpunkt folgende Stärken und Schwächen identifiziert worden.


3.2 Handlungsprioritäten

Die analysierte Situation in den Wupperorten zeigt mehrere schwerwiegende Schieflagen. Einerseits ist die soziale Situation durch eine erhöhte Anzahl an Geringverdienern bzw. Leistungsempfängern nach SGB II geprägt. Dies führt auch zu einer hohen Anzahl von Kindern, die durch SGB II von Armut betroffen sind. Gleich-zeitig sind eine erhöhte Zahl an Jugendarbeitslosen und rechtsextreme Tendenzen im Quartier vorhanden. Laut Zeitungsberichten kommt es immer wieder zu Übergriffen trotz Verurteilung von jungen Mitgliedern des rechtsextremen, bereits aufgelösten „Freundeskreis Rade“ (vgl. rp-online 28.01.14, rp-online 04.03.17).

Des Weiteren droht kurzfristig eine mangelhafte Grundversorgung in medizinischer Hinsicht, als auch im Hinblick auf die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Die Angebote im Einzelhandel und in den Dienstleistungen haben sich bereits heute schon aus den dichtbesiedelten Bereichen an der Keilbecker Straße zurückgezogen, wodurch zahlreiche Leerstände im gewerblichen Bereich entstanden sind. Der strukturelle Wandel hinterlässt an vielen Stellen zusätzlich einen sanierungsbedürftigen Baubestand aufgrund mangelnder Investitionen sowie eine gesunkene Anzahl an Arbeitsplätzen und damit fehlenden Perspektiven für die Bewohner der Wupperorte. Das gesamte öffentliche Leben der Wupperorte ist somit durch den Niedergang der Textilindustrie geprägt.

Weiterhin stellt die extreme Topographie eine Herausforderung für die Wupperorte dar. Die Mobilität ist zwischen den einzelnen Siedlungsbereichen und insbesondere zu den Versorgungseinrichtungen im Tal sehr eingeschränkt. Insbesondere für den steigenden Anteil älterer Menschen im Quartier stellt dies ein ernstes Problem dar.

Diese Problemlagen stehen im Kontrast zum landschaftlich attraktiven Tal der Wupper, das mit unterschiedli-chen Wanderwegen als Ausflugsort positive Qualitäten aufweist. Hierin besteht eine Chance, die Wupperorte zukünftig wieder stärker zu beleben. Hierunter fallen auch die Chancen, die sich aus der Weiterentwicklung der Brachflächen ergeben können. Hier sind Potenziale für touristische, aber auch gewerbliche Angebote vorhanden.

Um die Wupperorte strukturell für die Zukunft zu stärken, Familien zu halten und Segregation zu verhindern, ist es erforderlich, durch Aufwertung der Wupperorte,
  • die sich abgezeichnete Armutsspirale zu unterbrechen,
  • Gewerbe zur Schaffung von lokalen Arbeitsplätzen anzusiedeln,
  • durch Zuzug die Altersstruktur nachhaltig zu verjüngen,
  • die Mobilität für alle Altersgruppen sicherzustellen.

Vorrangig muss dazu der Bereich an der Grundschule mit den dort vorhandenen Einrichtungen gestärkt und ausgebaut werden, um den drängenden sozialen Problemlagen entgegen zu wirken. Dazu gehören der Ausbau sowie die inhaltliche und personelle Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendtreffs Life. Für eine weitere Stärkung der sozialen Angebote, ist auch das Umfeld aufzuwerten. Dazu soll der Schulhof der Grundschule ökologisch erneuert und barrierefrei gestaltet, der Spielpatz am Familienzentrum aufgewertet und der Sportplatz umgebaut werden.

Daneben ist eine Begegnungsstätte erforderlich, um unterschiedlichen Aktivitäten im Quartier ein neues Zuhause zu geben, das bereits vorhandene bürgerschaftliche Engagement zu stärken und auszubauen. In diesem Zusammenhang könnte ein Quartiersmanagement für weitere Impulse sorgen, damit die vorhandenen Akteure besser vernetzt und Weitere hinzugewonnen werden, um vor allem den Generationswechsel in vielen Vereinen zu ermöglichen.

Perspektivisch ist es zudem erforderlich, die vorhandenen Bestände des Geschosswohnungsbaus zu überdenken, da hier die größten Leerstände vorzufinden sind. Im Einfamilienhausbereich scheint in Teilen ein Generationenwechsel voranzuschreiten, was sich an einigen Stellen in Sanierungsmaßnahmen vor allem in den Beständen der 1960er und 1970er Jahre zeigt. Zukünftig können die Wupperorte für junge Familien mit Kindern interessant werden, da hier sowohl Gebrauchtimmobilien als auch Neubauflächen zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen vorhanden sein könnten. Der Abbruch der Geschosswohnungsbauten (z.B. Wohnpark Auf der Brede) könnte hier für zusätzliche, bereits gut erschlossene Wohnungsbauflächen sorgen.

Als dritter Schwerpunkt gilt es die Brachflächen – allen voran ehemals HPC – so zu qualifizieren und zu entwickeln, dass neue Arbeitsplätze in den Wupperorten entstehen können. Diese werden sich stärker in Richtung Kreativwirtschaft und Tourismus entwickeln. Im Zuge der ökologischen und touristischen Erlebbarkeit der Wupper geht es zusätzlich auch darum, Wegeverbindungen zwischen den Wohnquartieren auf dem Berg und den Nutzungsmöglichkeiten im Tal zu schaffen, die barrierefrei sind und wichtige Ziele erschließen (Wupperaue, Wuppermarkt, ehemals Wülfing, ehemals HPC).


3.3 Entwicklungsziele

Aus der Analyse ist für das integrierte Handlungskonzept Wupperorte das Leitziel „Stärkung der Wupperorte als attraktiver Wohnstandort in Radevormwald“ entwickelt worden. Diesem sind die die drei Säulen „Steigerung der Lebensqualität in den Wupperorten“, „Aufwertung der Freiräume unter ökologischen Aspekten“ und „Weitere Förderung des Strukturwandels“ zugeordnet. Unter den drei Säulen sind weitere Unterziele aufgeführt.

Abbildung 89) Zielsystem InHK Wupperorte

Die Entwicklungsziele für die Wupperorte umfassen die spezifischen Ziele der EU der Prioritätenachse 4. Die Verbesserung der Integration (Ziel 11) kann der ersten Säule zugeordnet werden. Die ökologische Revitalisierung (Ziel 12) ist in der Säule zwei mit der ökologischen Aufwertung der Freiräume zuzuordnen. Das Ziel 13 die Entwicklung und Aufbereitung von Brach- und Konversionsflächen wird mit dem Ziel, den Strukturwandel weiter voranzutreiben abgedeckt.


4 Maßnahmen

Abgeleitet aus der Analyse, den herausgearbeiteten Stärken und Schwächen sowie den aufgestellten Zielen sind Maßnahmen entwickelt worden, die ausführlich in den nachfolgenden Projektsteckbriefen beschrieben werden. Dabei findet eine Unterteilung nach den Prioritäten 1, 2 und 3 statt. Maßnahmen mit der Priorität 1 sind vorrangig zur Zielerreichung umzusetzen (Schlüsselmaßnahmen), Maßnahmen mit der Priorität 2 sind wichtig zur Zielerreichung, können aber zeitlich etwas später erfolgen. Die Maßnahmen der Priorität 3 sind nicht zwingend für die Erreichung der übergeordneten Ziele erforderlich, sondern dienen der Zielergänzung.

Neben den Maßnahmen, die über EU-Mittel der ESF und EFRE Förderung sowie als Kofinanzierung über die Städtebauförderung unterstützt werden, sind weitere flankierende Maßnahmen vorhanden, die über andere Finanzierungsquellen umgesetzt werden sollen. Hierunter fallen vor allem die Maßnahmen, die die ehemaligen Textilfabriken betreffen. Das Entwicklungskonzept Wülfing (C1) soll über die Regionale 2025 gefördert werden. Die Brachflächenrevitalisierung des Areals ehemals Schürmann & Schröder (C2) und die Standort-ersteinschätzung zur Brachflächenrevitalisierung ehemals HPC (C3) können über den Flächenpool NRW in Gang gesetzt und durch weitere private Investitionen umgesetzt werden. Der Platz vor der Turnhalle (C4) soll in Ergänzung nach 2022 mit weiteren Städtebauförderungsmitteln entsiegelt und damit ökologisch und städ-tebaulich aufgewertet werden.

Durch die Einrichtung eines Quartiersbusses (D1) als Pilotprojekt im Rahmen der Förderung des Nahverkehrs wird auch vom Oberbergischen Kreis auf die Probleme in der ÖPNV-Anbindung reagiert. Dabei wird auch der bereits vorhandene Bürgerbusverein mit einbezogen. Weitere Alternativen zum eigenen Auto als Stärkung ökologischer Fortbewegungsmöglichkeiten sollen durch das Angebot von Car-Sharing bzw. Ladestationen für E-Autos und E-Bikes (D3) geschaffen werden. Dazu laufen parallel Gespräche mit den Stadtwerken.

Die Herstellung von weiteren regionalen und lokalen Geh- und Radwegen, die Stärkung der Erlebbarkeit und ökologische Aufwertung der Wupper (E4 und E5) wird zusätzlich im Rahmen der Regionale 2025umgesetzt. Die Straße „Auf der Brede“ (E7) bedarf einer bautechnischen Aufwertung und wird aus Eigenmitteln der Kommune finanziert. Weiterhin wird die Freizeitanlage Obergrunewald (E8) als Zentrum für Freizeit, Sport und Geselligkeit im Rahmen des LEADER-Projektes umgebaut. Die energetische Optimierung der Grundschule (F2) soll nach 2022 umgesetzt werden. Diese flankierenden Maßnahmen tragen ebenfalls dazu bei, die Wupperorte als attraktiven Wohnstandort zu entwickeln.

Die Zuwendungsvoraussetzungen der Förderrichtlinie Stadterneuerung sind bei den aufgeführten Maßnahmen des InHK berücksichtigt. Vor allem das Thema kinderfreundliche und generationenübergreifende Gestaltung des öffentlichen Raums wird unter anderem durch die Herstellung von Barrierefreiheit und Berücksichtigung bei der Umsetzung der Maßnahmen erzielt (wie z.B. im Bereich des Schulhofs der Grundschule). Bei der Aufwertung und Herstellung von Gehwegen wird eine barrierefreie Gestaltung ebenfalls berücksichtigt. Die Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit, unterschiedliche Lebenslagen und Bedürfnisse der im Untersuchungsgebiet lebenden Menschen, unabhängig von deren Geschlecht, Alter, Herkunft und Religion, werden bei den Maßnah-men des InHK berücksichtigt. Die frühzeitige Einbindung in dafür angepasste Planungsprozesse ist dabei zielführend. Bei der Bauausführung der einzelnen Maßnahmen ist es wichtig, anhand von Genderkriterien zu überprüfen, ob die Bedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen in unterschiedlichen Lebenssituationen – im Sinne von „diversity management“ – berücksichtigt wurden. Dabei müssen die Anforderungen von berufstätigen Frauen und Männern von in Familienarbeit Tätigen oder in Kombination von beidem, von Kindern, Jugendlichen, Senioren und Seniorinnen und von Menschen mit Behinderung unterschieden werden. Insbesondere stehen dabei die Nutzungsqualität, Nutzungsmöglichkeiten, Aufenthaltsqualität, Gebrauchsfähigkeit und Sicherheit im Fokus der Betrachtungen. Vor allem bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes sind diese Kriterien zu überprüfen und in entsprechenden Beteiligungsverfahren zu diskutieren.

Die Maßnahmen tragen zudem zu den spezifischen Zielen der Prioritätenachse 4 bei.

Folgende Maßnahmen sind dem Ziel 11 „Verbesserung der Integration benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen in Arbeit, Bildung und Gemeinschaft“ zuzuordnen:
  • Quartiersmanagement
  • Verfügungsfonds
  • Konzeptstudie Begegnungsstätte
  • Anbau/Neubau/Umbau Begegnungsstätte
  • Inhaltliche Erweiterung Kinder- und Jugendtreff Life
  • Aufsuchende Arbeit Jugendsozialarbeiter
  • Ausbau/Anbau Kinder- Jugendtreff Life (Räumlichkeiten)
  • Mitnahmebank
  • Erweiterung Spielplatz Familienzentrum
  • Aufwertung und Umbau Sportplatz zu einer zeitgemäßen Sport- und Begegnungsstätte

Folgende Maßnahmen sind dem Ziel 12 „Ökologische Revitalisierung von Quartieren, Städten und Stadtumlandgemeinden“ zuzuordnen:
  • Freiraumplanerisches Konzept: Herstellung von Geh- und Radwegverbindungen, Stärkung Erlebbarkeit und ökologische Aufwertung der Wupper
  • Herstellung von Geh- und Radwegeverbindungen, Stärkung Erlebbarkeit und ökologische Aufwertung der Wupper (Umsetzung)
  • Ökologische Aufwertung Schulhof Grundschule

Theoretisch würden weitere Maßnahmen, die in den Folgejahren geplant sind, auch das spezifische Ziel 13 der EU „Entwicklung und Aufbereitung von Brach- und Konversionsflächen zu stadtentwicklungspolitischen bzw. ökologischen Zwecken“ abdecken. Hier stehen vor allem die angedachten Entwicklungsmöglichkeiten der drei großen ehemaligen Industriestandorte der Textilindustrie. Insbesondere die Fläche der damaligen Fabrik HPC ist derzeit noch ohne gewünschte Nachnutzung und stellt in weiten Teilen eine Brachfläche bzw. eine untergenutzte Fläche dar. Das Ziel wird im derzeitigen Aufruf nicht bedient, da die Vorbereitung der Umsetzung bzw. die Aufbereitung der Flächen sehr wahrscheinlich erst nach 2020 stattfinden wird.

Abbildung 90) Maßnahmeplan Wupperorte


4.1 Teilhabe und Mitwirkung




4.2 Soziale Infrastruktur









4.3 Städtebauliche Struktur und Wohnen


4.4 Mobilität


4.5 Öffentlicher Raum


4.6 Umwelt und Klima


4.7 Kosten- und Finanzierungsplanung

Projekte InHK Wupperorte


Bei den Maßnahmen, die mit einem * gekennzeichnet sind, handelt es sich um flankierende Maßnahmen, die im Rahmen des Konzeptes keinen Steckbrief erhalten haben.
Abbildung 91) Kosten- und Finanzierungsplanung

Die Kosten- und Finanzierungsplanung kann der Anlage in DIN A 3 entnommen werden.


5 Handlungsempfehlungen für die weitere Umsetzung

Die Umsetzung der komplexen Aufgaben im Rahmen eines Stadterneuerungsprozesses bedarf einer strategischen Überlegung bezüglich der verwaltungsinternen und -externen Organisation. Daher zeigt das integrierte Handlungskonzept Wege auf, wie eine sinnvolle Strukturierung unterschiedlicher Aufgaben aufgeteilt werden kann. Des Weiteren ist ein Vorschlag für die Abgrenzung der Förderkulisse der Städtebauförderung erarbeitet worden, der sich an den Handlungsbedarfen aus den Analyseerkenntnissen orientiert und dessen räumliche Verortung berücksichtigt. Zentrales Ziel des weiteren Stadterneuerungsprozesses ist die Ansprache und Koordination der Einwohner und Akteure vor Ort. Auch hier ist eine erste Struktur erarbeitet worden, die als Umsetzungsvorschlag dienen soll.


5.1 Organisationsstruktur

Für eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele und Maßnahmen des InHK Wupperorte ist die Stadt Radevormwald auf die kooperative Zusammenarbeit von einzelnen Fachdiensten, privaten Eigentümern, Bewohnern, Gewerbetreibenden, Vereinen und lokalen Schlüsselakteuren angewiesen. Dabei ist es notwendig, eine klare Aufgabenverteilung und eine Arbeitsstruktur zu entwickeln, welche die Stadt Radevormwald in die Lage ver-setzt, den angestoßenen dynamischen Entwicklungsprozess zielgerichtet steuern zu können.

Im Wesentlichen wird es darauf ankommen, die Impulsförderung in konkreten Maßnahmen und Projekten zu bündeln und eine Umsetzungsstrategie zu entwickeln, die auf eine Mitwirkung und Aktivierung des bürgerschaftlichen bzw. privatwirtschaftlichen Engagements ausgerichtet ist. Ein Schlüssel zum Erfolg ist Verfahrenstransparenz und eine offene und intensive Kommunikation zwischen den Beteiligten.

Das InHK bildet die Orientierung für das planerische Handeln von öffentlicher Hand und privaten Akteuren in den Wupperorten. Im Sinne einer Selbstbindung für die Stadt Radevormwald gibt es den Rahmen der künftigen Entwicklung vor und ist Grundlage für daraus abzuleitende Folgeplanungen und Planungsverfahren.

Aufgrund der Vielzahl von Akteuren ist es notwendig, eine Projektsteuerung innerhalb der Verwaltung zu benennen, welche die „Fäden in der Hand hält“, die unterschiedlichste Akteure (Öffentliche wie Private) zusammenführt und die eine enge Zusammenarbeit der einzelnen Prozessbeteiligten vor Ort organisiert.

Es wird empfohlen, die im Folgenden beschriebenen Organisationseinheiten einzurichten und die dazugehörigen Aufgaben dementsprechend zu verteilen (siehe Abbildung 92).

Abbildung 92) Organisation und Aufgabenverteilung


Städtische Projektleitung
Die städtische Projektleitung begleitet und koordiniert die verwaltungsseitige Projektumsetzung. Dabei ist die Erfüllung der förderrechtlichen Anforderungen sicherzustellen und der Fördermittelbedarf abzustimmen. Es wird eine Zuarbeit zu den politischen Gremien geliefert. Die Projekt- und Arbeitsgruppen werden von der Projektleitung geführt. Eine Kontrolle und Koordination des Quartiersmanagements unterliegt ebenfalls der Projektleitung.


Quartiersmanagement
Das Quartiersmanagement übernimmt Aufgaben im Rahmen der Unterstützung lokaler Akteure. Hier werden alle Aufgaben gebündelt, die eine Stärkung der Bewohner sowie der Eigentümer und sonstigen Akteure zum Ziel haben. Dazu gehören weitere Arbeitsgruppen bzw. Gremien (z.B. Quartiersbeirat) sowie zusätzliche Beteiligungsformate.

Bei den Arbeitsgruppen bzw. Gremien können zahlreiche Projektbeteiligte an einen Tisch geholt werden. Dabei sind Schlüsselakteure aus den Wupperorten sowie interessierte Bürger als mögliche Teilnehmer zu benennen, die projektübergreifende Themen der Quartiersentwicklung betrachten. Ziel dabei ist es, über den Fortgang des Stadterneuerungsprozesses zu informieren sowie private und öffentliche Investitionsentscheidungen aufeinander abzustimmen.

Um Verfahrenstransparenz zu erzeugen und zum Mitmachen am Stadterneuerungsprozess zu animieren, ist eine offensive Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Dazu sind speziell ausgerichtete Formate zur Information und Beteiligung zu entwickeln und entsprechende finanzielle Mittel und personelle Kapazitäten bereitzustellen.

Empfehlenswerte Formate/Bausteine der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation sind:
  • die kontinuierliche Fortschreibung der projektbezogenen Internetseite,
  • die Erarbeitung von regelmäßig (halbjährig/quartalsweise) erscheinenden Newslettern sowie
  • die Entwicklung von Flyern/Plakaten zur Information über Beratungs-/Förderangebote und zu Mitmach-Aktionen.


Jour fixe/Steuerungsgruppe Wupperorte
Die Steuerungsgruppe Wupperorte ist die Arbeitsgruppe des Stadterneuerungsgebietes. Die Projektleitung und das Quartiersmanagement arbeiten hier eng zusammen, um die Öffentlichkeitsarbeit abzustimmen, den Sachstand von Projekten und zum InHK allgemein zu besprechen sowie weitere Anregungen aus dem Quartier aufzunehmen. Relevante Fachämter und die Verwaltungsleitung können hier bei Bedarf projektbezogen eingebunden werden. Die Jour fixe sollen in der Regel monatlich stattfinden. Die maßnahmenbezogenen Arbeitsgruppen haben der Steuerungsgruppe regelmäßig zu berichten.


Projektgruppe Wupperorte
Die Projektgruppe dient der Konkretisierung und Realisierung einzelner Maßnahmen. Es sollen Zuständigkeiten, Mitwirkungserfordernisse und die Umsetzung abgestimmt werden. Neben der Projektleitung und dem Quartiersmanagement sind alle relevanten Fachämter in die Projektgruppe zu integrieren. Bei Bedarf kann auch die Verwaltungsleitung miteinbezogen werden. Die Sitzung der Projektgruppe soll in der Regel alle zwei Monate stattfinden.


Maßnahmenbezogene Arbeitsgruppen
Bei weiterem maßnahmenbezogenem Abstimmungsbedarf können zusätzliche Arbeitsgruppen gebildet werden. Hier sind die Projektleitung und relevante Fachämter Mitglied. Ggf. sind das Quartiersmanagement und die Verwaltungsleitung mit einzubeziehen. In kleiner Runde können in der Arbeitsgruppe weitere Ziele von Projekten definiert werden und eine Abstimmung zwischen den Fachämtern und externen Auftragnehmern stattfinden. Weiterhin könnten regelmäßige Abstimmungen mit dem Jobcenter und dem Arbeitsamt stattfin-den.


Quartiersbeirat
Zur Einbindung der lokalen Akteure vor Ort, ist es sinnvoll, einen festen Rahmen über die Einrichtung eines Quartiersbeirates zu installieren. Neben der Entscheidung über die Vergabe der Mittel aus dem Verfügungsfonds, kann der Quartiersbeirat auch in weitere Projekte und Planungen involviert werden und Anregungen und Themen aus dem Quartier weitergeben. Die genaue Mitwirkung ist im Umsetzungsprozess zu konkretisieren.


5.2 Monitoring und Evaluation

Das Monitoring und die Evaluation des Stadterneuerungsprozesses sollen vom Quartiersmanagement begleitet werden. Die Stadterneuerungsmaßnahmen verfolgen das übergeordnete Ziel, die Wupperorte weiterzuentwickeln und als Wohn- und Arbeitsstandort zu attraktiveren. Hierzu wurden Stärken und Schwächen für die weitere Entwicklung identifiziert und darauf aufbauend Ziele und Maßnahmen erarbeitet. Das Bindeglied zwischen Zielen und Zielerreichung bilden Maßnahmen, die den strategischen Zielen zugeordnet wurden.

Um strukturiert und prozessbegleitend den Fortschritt der Gesamtmaßnahme zu überprüfen, kann man grundsätzlich auf zwei Ebenen ansetzen:
  • auf Ebene der Maßnahmenumsetzung und
  • auf Ebene der Zielerreichung.

Eine erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen lässt sich an vielen Indikatoren festmachen. In den Wupperorten sind die Indikatoren Arbeitsmarktzahlen insbesondere bezogen auf Kinder und Jugendliche, Kriminalität sowie Leerstände wichtige Punkte. Diese sind maßnahmenspezifisch weiter auszugestalten. Wichtiger als die Messung der erfolgreichen Umsetzung der Gesamtmaßnahme erscheint hingegen die Klärung, ob die angestrebte Zielsetzung erreicht wird. Hierzu müssen sowohl qualitative als auch quantitative Indikatoren erarbeitet werden, die eine Überprüfung ermöglichen.

Die begleitende Erfolgskontrolle übernimmt zum einen die Aufgabe, Fehlentwicklungen vorzubeugen und zum anderen, durch positive Rückmeldungen die Akteure zu motivieren. Unabhängig von den gewählten Zeitpunkten der Erfolgskontrolle sind Nullmessungen durchzuführen und in regelmäßigen Abständen in Form eines Monitorings zu überprüfen. Auf diese Weise ist es möglich, im Prozessverlauf Änderungen an der Ausrichtung einzelner Maßnahmen vorzunehmen.

Neben einer quantitativen Erfolgskontrolle ist grundsätzlich zu empfehlen, nicht nur Veränderungen im Be-stand und in der Nutzung, sondern auch in den Einstellungen und im Verhalten der Zielgruppen zu erfassen, da sich ein verändertes Verhalten nur eingeschränkt in den quantitativen Variablen wiederfindet. Hier ist in jedem Fall einem repräsentativen Ansatz der Vorzug zu geben, da die Ergebnisse einer Wiederholungsbefragung möglicherweise ansonsten nicht vergleichbar sind. Bei der Aufbereitung der Daten ist darauf zu achten, dass diese genderspezifisch erfolgen, um Aussagen darüber treffen zu können, ob einzelne Zielgruppen noch nicht ausreichend berücksichtigt worden sind und gegebenenfalls Maßnahmen angepasst werden müssen.


5.3 Beteiligung im Umsetzungsprozess und Verstetigung

Über die beschriebene Organisationsstruktur für die Umsetzung des InHK Wupperorte wird auf städtischer Ebene die Beteiligung organisiert. Durch die unterschiedlichen Gruppen und Gremien werden neben der Projektleitung und dem Quartiersmanagement auch die relevanten Fachämter einbezogen. Es findet somit ein regelmäßiger Austausch über den Fortschritt der einzelnen Maßnahmen statt.

Die Beteiligung von Bürgern, Eigentümern und weiteren interessierten Akteuren soll zum einen über die Ein-richtung von Gremien, wie beispielsweise einem Eigentümerforum erfolgen. Weiterhin sind Interessierte in regelmäßigen Abständen über den Fortschritt der Umsetzung des InHK sowie über einzelne Maßnahmen zu informieren. Dabei ist darauf zu achten, dass im Sinne einer gendersensiblen Betrachtung alle relevanten Personengruppen eingebunden werden und so alle Interessensgruppen vertreten sind. Bei der Erarbeitung von Konzepten und Untersuchungen ist eine Beteiligung beispielsweise in Form von Bürgerforen oder Bürgerwerkstätten durchzuführen. Um konkret Planungen und Ideen vor Ort zu sammeln und zu diskutieren, können zum Beispiel Planungsspaziergänge durchgeführt werden. Hierbei ist es besonders zielführend, wenn Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen teilnehmen und so möglichst viele Belange in den Fokus rücken. Die Organisation und Durchführung der unterschiedlichen Beteiligungsformate sind dem Quartiersma-nagement zugeordnet und sind im weiteren Verlauf zu konkretisieren.

Die vorgeschlagenen Organisationsstruktur sowie die Beteiligung soll in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Radevormwald und den Akteuren verstetigt werden. Dazu ist frühzeitig ein Konzept zu erarbeiten, dass die dauerhafte Fortsetzung der geschaffenen bzw. gestärkten Strukturen und Projekte in Radevormwald sowie die Teilhabe an Entscheidungsprozessen beschreibt.

Ziel ist es, die Beteiligungsstrukturen zu festigen und zu institutionalisieren (z.B. durch eine Vereinsgründung der unterschiedlichen Akteure) sowie die Finanzierung eines Quartiersmanagements auch über den Programmzeitraum hinaus, zum Beispiel mit Hilfe von Sponsoren, zu sichern. Anregungen und Kritik der Stadtteilbewohner und der Akteure im Gebiet sollen auch nach Abschluss der Umsetzung der Maßnahmen des InHK in kommunalen Beschlussgremien Berücksichtigung finden. Positive Erfahrungen im Prozess der Umsetzung des InHK sollen dazu beitragen, sich auch über die Umsetzungsdauer hinaus für die Wupperorte zu engagieren. Die vom Quartiersmanagement initiierten Gremien wie zum Beispiel der Quartiersbeirat können hierfür eine dauerhafte Plattform bieten. Ebenso können im Prozess potenziell Verantwortliche für die Wupperorte identifiziert werden, die es auch nach Ablauf des Programmzeitraums immer wieder schaffen, neue und weitere Einwohner und Akteure für die Teilhabe zu aktivieren.


5.4 Vorläufige Gebietsabgrenzung

Im Rahmen des integrierten Handlungskonzepts Wupperorte soll ein förmliches Stadterneuerungsgebiet festgelegt werden, um die Ziele und Maßnahmen zielgerichtet umsetzen und entsprechende Fördermittel beantragen zu können. Die vorgeschlagene Gebietsabgrenzung kann der Abbildung 93 entnommen werden. Die Abgrenzung des Stadterneuerungsgebiets lässt sich aus der vorangegangenen Analyse ableiten und bezieht sich im Wesentlichen auf den Siedlungsbereich der Wupperorte. Die angrenzenden Grünflächen entlang der Wupper bilden die nördliche und nordwestliche Grenze. Im Osten bildet die Sportanlage des Dahlerauer Turnvereins und der Ausläufer des Siedlungsbereiches entlang der Keilbecker Straße die Grenze. Die südliche und östliche Abgrenzung orientiert sich ebenfalls an der Bebauung bzw. dem Areal der ehemaligen Fabrik HPC. Die vorgeschlagene Abgrenzung umfasst eine Fläche von circa zwei Quadratkilometern.

Aufgrund der zu bewältigenden Aufgaben wird empfohlen, eine Förderung über das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt" zu beantragen und das Fördergebiet daher gemäß §171e Abs. 3 BauGB als Soziale-Stadt-Gebiet festzulegen.

Abbildung 93) Vorläufige Gebietsabgrenzung (Quelle: Stadt Radevormwald)


6 Verzeichnisse

6.1 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Auftaktveranstaltung in Wülfing
Abbildung 2 Erste Bürgerversammlung am 27.04.2017
Abbildung 3 Thementisch bei der Bürgerversammlung am 27.04.2017
Abbildung 4 Homepage InHK Wupperorte
Abbildung 5 Bürgerforum am 18.09.2017
Abbildung 6 Oberbergischer Kreis
Abbildung 7 Haupteingang Grundschule
Abbildung 8 Oberer Teil Schulhof
Abbildung 9 Unterer Teil Schulhof
Abbildung 10 Nebengebäude Grundschule
Abbildung 11 „Amphitheater“
Abbildung 12 Bauliche Mängel Grundschule
Abbildung 13 Städtischer Kindergarten Wupper
Abbildung 14 Anbau an den Kindergarten Wupper
Abbildung 15 Turnhalle an der Färberstraße
Abbildung 16 Sportplatz Auf der Brede
Abbildung 17 Sportplatz auf der Brede
Abbildung 18 Kinder- und Jugendtreff Life
Abbildung 19 Ehemaliges Klassenzimmer mit Thekenbereich
Abbildung 20 „Spielraum“
Abbildung 21 Eingangsbereich Kinder- und Jugendtreff
Abbildung 22 Busse des Bürgerbus-Vereins
Abbildung 23 Wülfing Museum
Abbildung 24 Dampfmaschine im Museum Wülfing
Abbildung 25 Rundgang durch die Textilstadt Wülfing
Abbildung 26 Wülfing Areal Überblick
Abbildung 27 Evangelische Kirche
Abbildung 28 Gemeindehaus evangelische Kirche
Abbildung 29 Friedhof
Abbildung 30 Gemeindehaus freie evangelische Gemeinde
Abbildung 31 Katholische Kirche St. Josef
Abbildung 32 Katholisches Gemeindehaus
Abbildung 33 Pflegeeinrichtung Haus Thiele
Abbildung 34 Infrastruktureinrichtungen in den Wupperorten
Abbildung 35 Präventionskette in den Wupperorten
Abbildung 36 Apotheke an der Keilbecker Straße
Abbildung 37 Ehemalige Fleischerei an der Keilbecker Straße
Abbildung 38 Wülfing Museum
Abbildung 39 Gewerbeflächen
Abbildung 40 Ehemalige Arbeiterhäuser an der Wülfingstraße
Abbildung 41 Ehemaliges Bahnhofsgebäude Dahlerau
Abbildung 42 Gebäude im Bergischen Baustil Kirchstraße
Abbildung 43 Gebäude an der Keilbecker Straße in gutem Zustand
Abbildung 44 Leerstand am Siedlungsweg
Abbildung 45 Siedlungsweg mit Einfamilienhäusern
Abbildung 46 Gebäude aus den 1970er-1980er Jahren am Siedlungsweg
Abbildung 47 Gebäude aus den 1970er-1980er Jahren am Siedlungsweg mit Schieferfassade
Abbildung 48 Gebäude entlang der Keilbecker Straße
Abbildung 49 Neubauten an der Keilbecker Straße
Abbildung 50 Leerstände an der Mittelstraße
Abbildung 51 Rückseite Leerstand Mittelstraße
Abbildung 52 Weberstraße
Abbildung 53 Nicht barrierefreie Wegeverbindung Tuchstraße
Abbildung 54 Gebäudezeilen Wohnpark Auf der Brede
Abbildung 55 Zuwegung Wohnpark Auf der Brede
Abbildung 56 Punkthaus Wohnpark auf der Brede
Abbildung 57 Garagenhof Wohnpark Auf der Brede
Abbildung 58 Spielplatz Auf der Brede
Abbildung 59 Kreisverkehr Auf der Brede
Abbildung 60 Garagenhof Auf der Brede
Abbildung 61 Schmale und fehlende Gehwege Auf der Brede
Abbildung 62 Unbefestigter Fußweg zum Familienzentrum
Abbildung 63 Garagenhof entlang Fußweg
Abbildung 64 Ehemaliges Fabrikgebäude mit baulichen Mängeln
Abbildung 65 Ungenutztes , marodes Gebäude auf dem Gelände HPC
Abbildung 66 Gebäude mit historischem Wasserwerk Dahlhausen
Abbildung 67 Stausee Dahlhausen
Abbildung 68 Gewerbliche Nutzung Wuppermarkt
Abbildung 69 Umnutzung des nördlichen Teils
Abbildung 70 Bahnhof Dahlhausen (Quelle: Thomas Weber)
Abbildung 71 Historisches Eisenbahnviadukt (Quelle: Peter Lorenz)
Abbildung 72 Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser in Radevormwald
Abbildung 73 Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser in den Wupperorten
Abbildung 74 Verkehrssituation Keilbecker Straße (Einbahnstraßenregelungen)
Abbildung 75 Plötzliches Ende des Bürgersteigs Wupperstraße
Abbildung 76 Haltestelle Schröderweg ohne Wartebereich
Abbildung 77 Wartebereich an der Mittelstraße
Abbildung 78 Aktuelle Linienführung der Busse
Abbildung 79 Entwurf Linienänderung 626
Abbildung 80 Spielplatz Tuchstraße
Abbildung 81 Spielplatz am Familienzentrum
Abbildung 82 Wiesenfläche südlich der Turnhalle
Abbildung 83 Spielplatz Auf der Brede
Abbildung 84 Platz vor der Turnhalle
Abbildung 85 Freiflächen an der evangelischen Kirche
Abbildung 86 Bereich vor der Sparkasse
Abbildung 87 Festgelegte Überschwemmungsbereiche im Untersuchungsraum
Abbildung 88 Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete und Landschaftsschutzgebiete im Untersuchungsraum
Abbildung 89 Zielsystem InHK Wupperorte
Abbildung 90 Maßnahmenplan Wupperorte
Abbildung 91 Kosten- und Finanzierungsplanung
Abbildung 92 Organisation und Aufgabenverteilung
Abbildung 93 Vorläufige Gebietsabgrenzung (Quelle: Stadt Radevormwald)


6.2 Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Beteiligungsveranstaltungen InHK Wupperorte
Tabelle 2 Indikatoren Bevölkerungsstruktur
Tabelle 3 Indikatoren soziale Situation
Tabelle 4 Haushaltsstruktur
Tabelle 5 Maßnahmen zum Klimaschutz
Tabelle 6 Maßnahmen zur Verbesserung von Wasserqualität und Strukturgüte der Wupper


6.3 Quellenverzeichnis

  6.3.1 Konzepte, Gutachten, Fachliteratur

Gertec GmbH Ingenieursgesellschaft (Hg.) 2012: Integriertes Klimaschutzkonzept. Endbericht.
Gniostko, Heinz; Garbe, Dr. Detlef 2017: Schulentwicklungsplanung Stadt Radevormwald
MKULNV NRW Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.) 2011: Handbuch Stadtklima - Maßnahmen und Handlungskonzepte für Städte und Ballungsräume zur Anpassung an den Klimawandel
MKULNV NRW Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.) 2016: Steckbriefe der Planungseinheiten in den nordrhein-westfälischen Anteilen von Rhein, Weser, Ems und Maas Bewirtschaftungsplan 2016 – 2021. Oberflächengewässer und Grundwasser Teileinzugsgebiet Rhein/Wupper.
Planungsbüro G. & L. Hoppe 2017: Machbarkeitsstudie Großspielfeldsanierung
Stadt Radevormwald 2011: Bedarfsermittlung zum Neubau einer ungedeckten Sportanlage in Radevormwald
Stadt Radevormwald Fachbereich Stadtplanung und Umwelt (Hg.) 2014: Lärmaktionsplan Stufe II der Stadt Radevormwald.
Stadt Radevormwald 2016: Platzangebot in Tageseinrichtungen für Kinder. Bedarfsplanung für das Kalenderjahr 2017/2018
Wupperverband (Hg.) 2012: WRRL - Umsetzungsfahrplan Hydromorphologie für die Fließgewässer der Planungseinheiten PE_WUP_1000 Untere Wupper, PE_WUP_1100 Obere Wupper, PE_WUP_1200 Dhünn.


  6.3.2 Internetquellen

Website Bürgerbusverein Website
Website Dahlerauer Turnverein Website
Website Erzbistum Köln Website
Website evangelische Kirchengemeinde Dahlerau Website
Website Freie evangelische Gemeinde Dahlerau Website
Website Förderverein Wupperschiene Website
Website Haus Thiele Website
Website LANUV NRW Gewässerstrukturen Nordrhein-Westfalen Website
Website TUSPO Dahlhausen Website
Website Verbundgrundschule Berghof-Wupper Website
Website Wupperorte Website
Website Wülfing Museum Website
Mietspiegel 2017 Oberbergischer Kreis Website
Zeitungsbericht rp-online vom 17.02.2015 Website

Abschlussbericht InHK Wupperorte


Ansprechpartner für die Quartiersentwicklung der Wupperorte sind:
Beate Fiedler,Projektkoordinatorin des Oberbergischen Kreises
Telefon: 02261 88-6809
e-Mail beate.fiedler@obk.de

Burkhard Klein, Projektkoordinator der Stadt Radevormwald
Telefon: 02195 606-205
e-Mail burkhard.klein@radevormwald.de
 
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